
Editorial
Die Kunststoff-Frage
In diesem Heft kommt ein Konflikt zum Vorschein, der die Verpackungsbranche wohl noch einige Zeit beschäftigen wird.
Da sind die Hersteller von Kunststoff-Verpackungen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das schlechte Image beim Publikum aufzupolieren. „Wir wollen das öffentliche Bild von Kunststoff weiter verändern“, sagt Mara Hancker von der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) im Interview. „Verpackungen aus Kunststoff sind wesentlicher Teil einer klimaschonenden Lebensweise.“ Auch Frank Kurrat von Interzero beklagt in seinem Interview das „ungerechtfertigte Kunststoff-Bashing“. Die Lobbyisten von Plastic is Fantastic mit Sitz in Österreich dehnen ihre Charme-Offensive pro Kunststoff denn auch auf Asien aus.
Gleichzeitig ächzt die Branche unter den Folgen des Iran-Kriegs. Die sind natürlich für die Menschen im Iran und für die Länder der Nachbarschaft wesentlich dramatischer – aber der hohe Ölpreis, der aus dem Krieg folgt, macht sich eben auch für Kunststoff-Verpacker deutlich bemerkbar: Wiederum die IK konstatiert stark überhöhte Preise, einen historischen Engpass der Rohstoffbeschaffung und massiv gefährdete Lieferfähigkeit der Betriebe.
Und: Unter den Interpack-Neuheiten finden sich Produkte und Ideen, um Kunststoffe zu ersetzen. Und zwar ganz ausdrücklich: Hugo Beck möchte Herstellern den Umstieg von Schrumpffolie auf Kraftpapier erleichtern, ATS Tanner hätte da Papierbanderolen als Alternative zu klassischen Kunststoffbanderolen, Kapag Karton + Papier einen neuen Verbundstoff für Etiketten an Obst- und Gemüsenetzen. Und das Changemaker-Kartonsortiment von Kapag und dem Schwesterunternehmen Oppboga Bruk soll Kunststoff ersetzen oder reduzieren.
Was also – Kunststoffe oder eher nicht? Auf diese Frage gibt es keine einfachen Antworten. Gut, dass die Interpack vor der Tür steht. Die größte Verpackungsmesse der Welt ist der ideale Ort, um die notwendigen komplizierten Antworten zu diskutieren.
Eine gute Messezeit wünscht Ihnen
Stefan Becker

