Teil 4: Wie geht es der Branche?

Leibinger

„Export läuft stärker als Deutschland-Geschäft“

Exportorientierte Unternehmen wie Kennzeichnungs-Spezialist Leibinger bekommen das Zoll-Hin-und-Her zu spüren. Michael Wöhrmann erklärt, warum das Unternehmen trotzdem gut ins Ausland verkauft.

Person und Organisation Michael Wöhrmann ist Director Business Development bei Paul Leibinger, einem weltweit tätigen Spezialisten für Kennzeichnungssysteme mit 350 Beschäftigten weltweit. Das Unternehmen verkauft vor allem industrielle Inkjet-Drucker und Tinten und hebt die Eigenfertigungsquote von 80 Prozent hervor. Der Vertrieb läuft über ein globales Netz aus rund 150 Distributionspartnern und eigenen Niederlassungen in China und den USA. Leibinger zählt weltweit „zehntausende Installationen“.

Herr Wöhrmann, die Deutschen konsumieren weniger. Registrieren Sie, dass nicht mehr so viele Produkte mit MHDs und Chargennummern bedruckt werden müssen?

In Deutschland ist in einigen Bereichen Zurückhaltung zu spüren, etwa in der Automobil-Zulieferbranche, für die wir zum Beispiel Maschinen zur Bedruckung von Kabeln oder Teilen liefern. Andere Segmente wie Fast Moving Consumer Goods, also die Bedruckung unter anderem von Lebensmitteln, Getränken und Drogerieprodukten, entwickeln sich derzeit besser. Das liegt zum einen am Markt, zum anderen aber auch an unseren Produkten und unserer Positionierung. Wir bieten unseren Kunden klare Mehrwerte und setzen uns dadurch vom Wettbewerb ab. Das gilt nicht nur für Deutschland, denn wir bewegen uns in einem global wachsenden Markt. Grundsätzlich wachsen wir derzeit im Export stärker als in Deutschland. Mit dem derzeitigen Wachstum in der Firmengruppe sind wir sehr zufrieden.

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Sie haben außer in China auch Niederlassungen und ein Partnernetz in den USA. Wie stark betrifft Sie das Zoll-Hin-und-Her?

Die Zölle und deren Höhe sind das eine, darunter hat die ganze Branche zu leiden. Das Sprunghafte führt zu größerer Verunsicherung, insbesondere bei unseren Kunden in Mexiko und Kanada. Um dem entgegenzuwirken, stehen wir in engem Kontakt mit unserer Niederlassung in den USA und den Partnern in der Region. Ferner haben wir kurzfristig die Lagerkapazität in der Region ausgebaut, um neben schnellen Lieferungen auch Kostensteigerungen abzufangen.

Und Asien? Wenn Sie schon in China sind, kommt Ihnen das Freihandels-Abkommen mit Indien sicher entgegen.

Weniger Zollhindernisse sind grundsätzlich gut. Unser Exportanteil ist sehr hoch. Indien ist mittlerweile das bevölkerungsstärkste Land der Welt und ein sich stark und dynamisch entwickelnder Markt, auch für unsere Produkte. Die Bevölkerung dort wächst weiterhin, was zu wachsendem Lebensmittel-Konsum führt – und natürlich müssen auch hier die Umverpackungen gekennzeichnet werden. Leibinger ist in den vergangenen Jahren deutlich stärker als der Markt gewachsen. Gerade in Asien sehen wir Möglichkeiten für ein weiteres nachhaltiges Wachstum.

Welche Rolle spielt die PPWR für Sie als Kennzeichnungsmaschinen-Hersteller?

Wir sind kein Wirtschaftsakteur nach der PPWR, aber durchaus indirekt beteiligt. Unsere Aufgabe ist es sicherzustellen, dass die Wirtschaftsakteure die Materialien gut bedrucken können. Die PPWR definiert unter anderem Materialanforderungen für die Zukunft. Hier bietet Leibinger mit seiner Expertise vielfältige Möglichkeiten, um eine Bedruckung auf diesen Materialien zu gewährleisten. Um ein Beispiel zu nennen: Vor zwei Jahren haben wir mit einem großen Verpackungshersteller von uns entwickelte Tinten für recyclingfähige Monomaterial-Verpackungen intensiv getestet, auch in komplexen Prozessen. Wir fühlen uns da gut aufgestellt, da diese Themen schon lange bearbeitet werden.

Nochmals zum sinkenden Konsum: Der führt unter anderem zu sinkenden Margen und damit zu Kostendruck. Kommt der bei Ihnen an?

Der Preisdruck ist ohne Frage da, und die Höhe der Investitionskosten ist ein Thema. Wir antworten darauf mit dem Argument der Total Cost of Ownership: Jede Produktions-Unterbrechung kostet Geld – entscheidend ist: Wie lange kann ein System ohne Unterbrechung laufen? Unsere Systeme sind durch einzigartige Technologien, die unter anderem den Reinigungsaufwand reduzieren oder wartungsärmer sind, viel effizienter als viele andere unserer Marktbegleiter. Dass unsere Maschinen die Verpackungslinien, in die sie integriert werden, nicht stoppen, sondern im Dauerbetrieb effizient unterstützen, das ist viel wichtiger als Capex-Überlegungen.

Und was antworten Sie auf die klassische Frage, wo Sie sich in fünf Jahren sehen?

Es gibt zurzeit zwei große Treiber im Markt: die PPWR und die Bewegung von den klassischen Barcodes zu den 2D-Codes. Der Erfolg wird davon abhängen, wie sehr der Handel und die Produzenten die 2D-Codes annehmen, also ob unter anderem Kassensysteme, Kassensoftware und ERP-Systeme die sehr spannenden Use-Cases unterstützen. Wir sind optimistisch und haben bereits sehr konkrete Anwendungsfälle erarbeitet.

Das Gespräch führte Stefan Becker