Nachgefragt

Europäisches Patentamt und Verpackungen

Mehr Patente – nicht unbedingt wegen der PPWR

Hersteller von Verpackungs- und Transportsystemen aus Deutschland reichten 2025 so viele Patente ein, dass der Zuwachs über dem Gesamtwachstum lag. Das Amt hebt die Bedeutung des deutschen Markts hervor.

Das Patentgeschehen in Europa legt zu – im Jahr 2025 registrierte das Europäische Patentamt (EPA) 201.974 Anmeldungen, ein Plus von 1,4 Prozent. Aus Deutschland kamen 24.476 Anmeldungen, das allerdings entspricht einem Minus von 2,2 Prozent. An der Verpackungsbranche kann es nicht gelegen haben: 974 Anmeldungen im Technologiefeld „Verpackungs- und Transportsysteme“ (im Englischen „Handling“) bedeuteten ein Plus von 2,4 Prozent. Ein Zuwachs über dem Gesamtplus – steckt die PPWR dahinter? „Regulatorische Initiativen können als Katalysator für Innovationen wirken“, sagt Yorick Lostetter, Chief Business Analyst des Patentamts, auf Nachfrage des packREPORTs und schränkt gleich ein: „Gleichzeitig lässt sich ein direkter Zusammen­hang zwischen Regulierung und den jüngsten Trends bei Patentanmeldungen nur schwer herstellen.“ Es sei möglicherweise noch zu früh, um einen messbaren Effekt zu beobachten.

Aber es könnte sich um einen Trend handeln, denn nach der Spitze im Jahr 2021 sank die Zahl der Anmeldungen, seither steigt sie aber kontinuierlich (siehe Grafik). „Deutschland ist das wichtigste Ursprungsland beim EPA im Bereich ,Handling‘ und steht für 19,1 Prozent der gesamten Anmeldungen“, hebt Lostetter hervor.

Und worum ging es bei den 974 Patentanmeldungen aus Deutschland? Das EPA unterscheidet im Bereich „Handhabung“ vier Technologiebereiche nach IPC, der Internationalen Patentklassifikation. Das sah 2025 so aus:

  • B25 (Manipulatoren und Kammern mit Manipulationsvorrichtungen): 640 Anmeldungen = 65,7 Prozent.
  • B66 (Hebe-, Hub- und Fördertechnik): 155 Anmeldungen = 15,9 Prozent.
  • B65 (Fördern, Verpacken, Lagern sowie das Handhaben dünner oder fadenförmiger Materialien): 131 = 13,4 Prozent.
  • B67 (Technologien zum Öffnen oder Schließen von Flaschen, Gläsern oder ähnlichen Behältern sowie das Handling von Flüssigkeiten): 49 = 5,0 Prozent.

Auf Nachfrage nennt Yorick Lostetter zwei konkrete Beispiele für deutsche Patent­anmeldungen aus dem Bereich Verpackung – beide für den Umgang mit äußerst sensiblen Gütern. Bei EP4495017A1 geht es um einen Einsatz für eine Wendevorrichtung und um ein Verfahren zum Wenden von medizinischen Ampullen, angemeldet von Koerber Pharma aus Hamburg. EP4276022A1 stellt eine Vorrichtung zum maschinellen Verschließen eines mit Befüllgut, insbesondere Brot, gefüllten Beutels vor sowie Betriebsverfahren hierfür. Eingereicht wurde die Anmeldung von GHD Georg Hartmann Maschinenbau aus Delbrück.

Einen Überblick über die Patentanmeldungen bietet die Datenbank „Espacenet“ des EPA (siehe Textkasten) – allerdings mit einer Einschränkung: Die meisten im Jahr 2025 eingereichten Anmeldungen würden nicht im selben Jahr, sondern erst 2026–2027 veröffentlicht. „Veröffentlichungen 2025“ entsprächen daher größtenteils Anmeldungen aus den Jahren 2023–2024.

Autor: Stefan Becker