
Bilder: Jowat
Wie Klebstoffe zur Qualitätssicherung beitragen
Abwarten und Tee verpacken
Die empfindlichen Inhaltsstoffe vieler Tees – von ätherischen Ölen bis zu flüchtigen Aromen – stellen hohe Anforderungen an die Verpackung. Ein oft unterschätzter Faktor dabei: der richtige Klebstoff.
Damit Tee sein volles Aroma bis in die Tasse bewahrt, kommt es nicht nur auf beste Teeblätter an, sondern ebenso auf die richtige Verpackung. Neben dem Schutz vor Licht, Feuchtigkeit und Sauerstoff ist die Integrität der gesamten Verpackungskette entscheidend. Besonders der Verschluss der Faltschachtel muss dauerhaft stabil bleiben – trotz hoher Taktzahlen und anspruchsvoller Materialkombinationen. Hier spielt der eingesetzte Klebstoff eine zentrale Rolle.
In Hochgeschwindigkeitsprozessen werden die Faltschachtellaschen innerhalb von Millisekunden geklebt – zuverlässig und sauber. Hier kommen Schmelzklebstoffe zum Einsatz, die sowohl mechanischen als auch chemischen Belastungen standhalten müssen.
Die unsichtbare Gefahr: Migration ätherischer Öle
Besonders kritisch wird es bei aromatisierten Teesorten, die ätherische Öle enthalten. Diese können durch Teebeutel und Verpackungsmaterialien hindurch bis in den Klebstoff gelangen und dort wie ein Lösemittel wirken. Das Resultat: eine schleichende Schädigung des Klebverbunds, die erst Wochen oder Monate nach der Produktion sichtbar wird. Im schlimmsten Fall zeigt sich das Problem erst beim Endverbraucher, wenn sich die Verpackung öffnet. Auch bei Teebeuteln mit Einzelverpackung bleibt dieses Risiko bestehen, wenn die Schachtel nicht ausreichend gegen Migration geschützt ist.
Der Klebstoffspezialist Jowat hat auf dieses branchenspezifische Problem reagiert und ein eigenes, praxisnahes Testverfahren entwickelt. Damit lässt sich die Stabilität von Klebstoffsystemen gezielt unter Einwirkung typischer Teearomen prüfen. Im Labor des Detmolder Unternehmens werden Papierqualitäten, wie sie in der Teeindustrie gängig sind, überlappend mit einer Breite von 1 cm geklebt. Diese Prüfmuster werden anschließend in einer speziellen Vorrichtung – dem sogenannten Exinator – aufgehängt, wo eine standardisierte T-Peel-Prüfung durchgeführt wird. Jede Probe wird mit einem Gewicht von 5 Gramm beschwert, um eine konstante Zugkraft zu simulieren.
Zur eigentlichen Prüfung wird eine definierte Menge (0,1 ml) eines ätherischen Öls zugegeben. Die Proben lagern bis zu zwei Wochen lang in dieser aromatisierten Atmosphäre. Täglich wird der Zustand der Klebverbindung geprüft: Je länger eine Probe intakt bleibt, desto höher ist die Beständigkeit gegenüber Migrationseinflüssen der ätherischen Öle. Mit diesem Verfahren liefert das Unternehmen belastbare Ergebnisse zur chemischen Beständigkeit von Klebstoffen in aromaintensiven Verpackungsumgebungen. Die Erkenntnisse fließen in die Entwicklung migrationsstabiler Klebstofflösungen für Teeverpackungen ein.
Praxisbewährte Anwendung
Besonders bewährt hat sich der Schmelzklebstoff Jowatherm PO 851.10, der eine hohe Beständigkeit gegenüber ätherischen Ölen zeigt. Auch auf anspruchsvollen Oberflächen überzeugt er durch einen scharfen Fadenabriss, der eine saubere Applikation ermöglicht und typische Probleme wie verschmutzte Anlagenteile oder erhöhten Reinigungsaufwand deutlich reduziert. Gleichzeitig werden Verunreinigungen auf den Substraten vermieden, die sonst zu minderwertigen Verpackungen führen könnten. Für einen optimalen Fadenabriss spielt jedoch nicht nur der Klebstoff selbst eine Rolle, sondern auch die Prozessparameter. So sollte der Abstand zwischen Auftragskopf und Substrat möglichst gering gehalten und die Verarbeitungstemperatur in der Regel erhöht werden, um eine niedrigere Schmelzviskosität zu erzielen. Ebenso wichtig ist es, Zugluft zu vermeiden – etwa durch das Schließen offener Fenster oder den Verzicht auf unnötige Luftgebläse. Schließlich trägt auch die Wahl des richtigen Auftragsequipments, beispielsweise der Einsatz gerader Düsen mit einer Bohrung und kurzen Kapillaren, zu einem sauberen Ergebnis bei.
Zuverlässigkeit – auch in der Extreme
Der Schmelzklebstoff des Unternehmens erfüllt die Anforderungen an eine saubere Verarbeitung und hohe Beständigkeit gegenüber aromatischen Stoffen. Zudem zeigt er eine ausgeprägte Kältebeständigkeit – ein wichtiger Faktor für Verpackungen, die unter wechselnden klimatischen Bedingungen eingesetzt werden. Im Fokus der anwendungstechnischen Bewertung stehen zwei typische Temperaturbereiche: +5 °C (Kühlschrankbedingungen): Relevante Anwendungen finden sich unter anderem bei Verpackungen für Käse, Joghurt oder Milchprodukte, bei denen der Klebstoff auch unter Feuchtigkeit und Kälte eine stabile Haftung gewährleistet.
–20 °C (Tiefkühlbedingungen): In diesem Segment wird der Schmelzklebstoff häufig bei der Verpackung von Tiefkühlgemüse, Backwaren oder Speiseeis eingesetzt, bei denen neben Kälte auch Versprödung eine Herausforderung für die Klebstofftechnologie darstellt. Die Prüfung der Kältebeständigkeit erfolgt praxisnah: In standardisierten Verfahren werden Klebmuster in handelsüblichen Kühl- und Gefriereinheiten gelagert und anschließend unmittelbar nach der Entnahme auf Haftkraft und Verbundstabilität getestet.
Auch in regulatorischer Hinsicht erfüllt der Klebstoff hohe Anforderungen. Jowatherm PO 851.10 entspricht den lebensmittelrechtlichen Vorgaben und weist gute Ergebnisse in Migrationsanalysen auf – insbesondere im Hinblick auf NIAS (non-intentionally added substances) und MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). Damit steht eine sichere und leistungsfähige Lösung für Anwendungen zur Verfügung, die hohe Ansprüche an Funktionalität, Produktsicherheit und Nachhaltigkeit stellen.
Schlüsselkomponente im Qualitätsmanagement
Die Auswahl des geeigneten Klebstoffs ist weit mehr als eine technische Randfrage, sie ist ein zentraler Bestandteil des Qualitätsmanagements und trägt wesentlich zur Produktsicherheit und Verbraucherzufriedenheit bei. Wer Teeverpackungen plant und umsetzt, sollte die Migrationsbeständigkeit von Klebstoffen ebenso berücksichtigen wie deren Verarbeitungseigenschaften. Nur wenn alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind, bleibt die Produktqualität bis zum Endverbraucher erhalten. Darüber hinaus zeigt der Schmelzklebstoff seine Eignung in zahlreichen weiteren Verpackungsanwendungen.