Blaue Engel

Lauter neue Kriterien

Das Umweltbundesamt hat die Kriterien für zwei Blaue Engel zu Mehrwegsystemen zum Jahreswechsel erweitert. Zum einen wurden Anforderungen konkretisiert, zum anderen stehen nicht mehr nur Transportboxen selbst im Mittelpunkt.

Drei Größen, viele Umläufe, ein Blauer Engel: die Transportbox des Bürobedarf Händlers Memo. (Bild: Memo)

Die Anforderungen für die verschiedenen „Blauer-Engel“-Umweltzeichen werden regelmäßig überarbeitet. Für zwei Engel zum Thema „Mehrwegverpackungen“ traten zum Jahreswechsel neue Kriterien in Kraft.

Der „To-Go-Engel“

Den „Blauer Engel für Mehrwegsysteme beim Außerhausverkauf von Speisen und Getränke“ (DE-UZ 210) gibt es seit 2019. Nachdem er zunächst nur für Coffee-to-Go-Becher galt und 2021 um Foodboxen erweitert wurde, gilt seit Anfang 2026 eine erweiterte dritte Fassung. Unter anderem müssen Mehrweg­system-Anbieter „Umlaufzahlen einheitlich ermitteln, sowie bestimmte Anforderungen an Logistik, Kooperations­partner und das Recycling nicht mehr verwendeter Verpackungen erfüllen“, heißt es im Hintergrundbericht zur Überarbeitung. Dazu gehört eine Vorgabe, wie die Zahl der Umläufe ermittelt wird – in der Vergangenheit hätten die Unternehmen verschiedene Formeln verwendet, sagt Bastian Kortus aus dem Fachgebiet III 1.3 (Ökodesign, Umweltkennzeichnung, umwelt­freundliche Beschaffung) des Umweltbundesamts. Daher seien Faktoren wie die Größe des Geschirrpools, die Quoten von Aussortierung und Schwund in eine einheitliche Formel gepackt worden. „Dies ermöglicht eine Vergleichbarkeit der Systeme, was zuvor fehlte und deshalb unbefriedigend lief.“ Zudem müssten die Anbieter ein Konzept dafür vorlegen, wie das Geschirr aus sortenreinem Kunststoff einem tatsächlichen Recycling zu­geführt werden könne. So genannte Individual­becher – etwa mit dem Logo einer Großveranstaltung – seien jetzt nicht mehr erlaubt. Neu seien ebenfalls die Pflicht, ein Pfand auf Becher zu erheben, und die Mindestzahl von 500 Spülläufen, die das Geschirr überstehen können muss. Und schließlich sind die Anbieter aufgefordert, ein Logistik­konzept zur ökologischen Optimierung von Transport­wegen und von Transportfahrzeugen vorzulegen. „Das ist noch relativ un­konkret, und wir bewerten es nicht“, sagt Bastian Korbus. „Aber wir wollen erheben, was es dazu gibt, um zu prüfen, ob das bei der nächsten Überarbeitung Teil der Anforderungen werden kann.“

Der „Transport-Engel“

Auch der Blaue Engel für „Mehrweg-Verpackungssysteme für Transport und Versand“ (DE-UZ 27) hat zum Jahreswechsel neue Kriterien verpasst bekommen. Auch hier geht es um eine Ausweitung – gleich in mehrfacher Hinsicht:

„Statt der Auszeichnung von (Mehrwegtransport-) Verpackungen zielt das revidierte Umweltzeichen auf die Auszeichnung von Mehrwegsystemen ab, innerhalb derer eine mehrfache Nutzung der Verpackungen sichergestellt wird“, schreibt das UBA im Hintergrundbericht. „Eine weitere Änderung des Geltungsbereichs betrifft die explizite Aufnahme von Umverpackungen in den Geltungsbereich und die explizite Erwähnung von Versandverpackungen.“

Eine erläuternde Liste macht zudem klar, dass auch nicht-flexible Mehrwegverpackungen für den Waren-Transportverkehr wie etwa Paletten, flexible Mehrwegverpackungen für den Schüttguttransport wie Big Bags, Mehrwegsteigen für Lebensmittel, sonstige Mehrwegboxen und -taschen wie Mehrwegverpackungen für den Onlinehandel und Mehrweg-Umverpackungen diesen Blauen Engel tragen können. Gefahrengut-Transportbehälter bleiben ausgeschlossen.

Urkunde vom Chef: Bundesumweltminister Carsten Schneider (rechts) mit Michael Kappler (Chief Innovation Officer, Mitte) und Davide Mazzanti (Geschäftsführer, links) von Sykell. Bild: BMUKN/Sascha Hilger

Sykell und Memo erste „neue“ Träger

Unternehmen, die diese Engel bisher trugen, haben sie nach einjähriger Übergangsfrist zum Jahreswechsel verloren. Die ersten Unternehmen, die nach den neuen Kriterien aus­gezeichnet wurden, sind Sykell für Mehrweggeschirr und Memo für Versandboxen. Anfang Februar zeichnete Bundesumwelt­minister Carsten Schneider die Unternehmen damit aus.

Das Berliner Unternehmen Sykell trägt den Engel bereits seit 2023. Die neue Version erhielt es Anfang dieser Woche für Mehrwegbecher und -schalen, die beim To-go-Verkauf von Speisen und Getränken zum Einsatz kommen. Die Verpackungen der Marke „Einfach Mehrweg To Go“ eignen sich laut Sykell für Heiß- und Kaltgetränke, für frische Lebensmittel, Frischetheken und Salatbars. Unter anderem setzten die Lebensmittelhändler Rewe und Hit die Systeme von Sykell ein. Die Rückgabe erfolge über 6.000 Rückgabepunkte oder über bestehende Pfandautomaten. Insgesamt seien rund 2,5 Millionen Gebinde im Einsatz. Büro­material-Händler Memo aus Greußenheim verschickt seine Waren an Geschäfts- wie an Endkunden auf Wunsch und ohne Aufpreis per „Memo Box“. Auch sie trug bereits einen Blauen Engel. Die grünen Kisten in drei Größen bestehen laut Memo aus dem Recycling-Kunststoff „Procyclen“ und der wiederum „vollständig aus Kunststoffabfällen, die in jedem Haushalt anfallen“, nämlich aus PE und PP. Weil 23 Prozent der jährlichen Sendungen per Box rausgingen, habe Memo im Jahr 2024 24 Tonnen Kartonage gespart. 2025 waren dem Unternehmen zufolge insgesamt 3.770 Boxen im Umlauf, einzelne hätten mehr als 250 Umläufe hinter sich. Die Kund­schaft retourniere sie wie jedes andere Paket auch. Wer sie nicht innerhalb von 14 Tagen zurückschickt, erhalte eine Rechnung – je nach Größe über 15,95 bis 25,95 Euro. (Stefan Becker)