Hygienegerechte Roboter in der Pharmaverpackung
Präzises Handling bei kurzen Taktzeiten
Wie verpackt man Spritzen-Sets mit je vier Komponenten, 200 Stück pro Minute, nach den Anforderungen der Pharmaproduktion? Eine Blistermaschine, deren Anlagenkonzept, welches hygienegerechte SCARA-Roboter für taktzeitkritische Handhabungsprozesse nutzt und sich modular skalieren lässt, wäre die Lösung.


400 Nadeln werden vom Roboter pro Minute in den Blister eingelegt. Bild: Stäubli
Besser parenteral: Das ist die Devise der Mediziner bei zahlreichen Medikamenten. Sie bedeutet, dass man den „Umweg“ über den Magen vermeiden möchte und die Wirkstoffe direkt dort in den Körper einbringt, wo sie wirken sollen – zum Beispiel mit Spritzen, Pens und anderen „Drug delivery devices“. Für diese Aufgabe entwickelt und fertigt Uhlmann Pac-Systeme die passenden Sekundärverpackungsanlagen. Häufig wird dabei die Medikamentendosis mit dem Injektionsgerät als „Einmaldosis“ in einen Blister verpackt. Für diese Art der Medikation hat Uhlmann die Blistermaschinen-Baureihe UPS 5 entwickelt, die sich einfach modular erweitern und somit an unterschiedliche Anwenderanforderungen anpassen lässt.
Die bisher längste und leistungsstärkste UPS 5 hat Uhlmann kürzlich an ein weltweit tätiges Pharmaunternehmen geliefert, das ein Medikamentenset bestehend aus Einmalspritze und einem Zweikomponenten-Wirkstoff herstellt. Das heißt, in jeden Blister gehören vier Bestandteile: eine mit Wirkstoff 1 befüllte Spritze, zwei Nadeln und ein Vial mit Wirkstoff 2. Ihre Kombination ergibt die Einmaldosis für einen injizierten Wirkstoff.
Bei diesem Kundenprojekt setzt Uhlmann auf SCARA-Roboter von Stäubli. Die präzisen Vierachser, die auf dem Maschinengestell der jeweiligen Station montiert sind, legen verschiedene parenterale Produkte in die Blister ein, die die UPS 5 formt. Die Zuführung der verschiedenen parenteralen Produkte übernehmen die von Uhlmann entwickelten SyPro- und LiPro-Systeme. Die individuell projektierten Robotergreifer sind ebenfalls Eigenentwicklungen. So können Sets von Spritzen oder Pens mit hoher Geschwindigkeit pharmakonform verpackt werden.
Drei Roboter, vier Komponenten, ein Blister
Den Projektingenieuren von Uhlmann Pac-Systeme ist es gelungen, diese Verpackungsaufgabe mit drei SCARA-Robotern vom Typ Stäubli TS2-60 zu lösen und durch den Einsatz einer zusätzlichen, derzeit nicht genutzten Roboterstation ein Höchstmaß an Flexibilität zu gewährleisten. Die Anlage wird so ausgestattet in der Lage sein, zu einem späteren Zeitpunkt noch komplexere Pharmaprodukte zu verpacken. Die erste Arbeitsstation der UPS 5 erzeugt den Blisterhof. Eine PET-Folie wird erwärmt und in der sogenannten Formstation mit Druckluft in die gewünschte Form gebracht und wieder abgekühlt – in Sekundenschnelle. So können Blister mit bis zu 40 mm Tiefe realisiert werden. Im hier beschriebenen Fall reichen knapp 20 mm. In Summe sind zehn Blister parallel angeordnet und werden den folgenden Roboterstationen zugeführt.

In der nächsten Station kommen zwei unterschiedliche, farblich gekennzeichnete Nadeln hinzu. Bild: Stäubli

Der Robotertyp ist in der Pharmaproduktion dank des Hygienedesigns und der Dynamik beliebt. Bild: Stäubli
Einlegen befüllter Spritzen
An der ersten Roboterstation steht das Einlegen befüllter Spritzen in die Blister auf dem Programm. Bereits hier bestehen hohe Anforderungen an die Dynamik des Stäubli SCARA TS2-60. Beeindruckende 200 Spritzen pro Minute legt der hochdynamische Roboter zuverlässig ein. Sie werden dem Vierachser über eine von Uhlmann speziell für empfindliche Glasspritzen entwickelte SyPro-Zuführung präsentiert. Dabei erfolgt der Transport zunächst hängend und erst kurz vor der Entnahme wird um 90 Grad so gedreht, dass der Vakuumgreifer des Roboters jeweils zehn Spritzen aufnehmen und ablegen kann.
Handling von 2 x 200 Nadeln pro Minute
In der zweiten Station kommen zwei unterschiedliche Nadeln – farblich gekennzeichnet in zum Beispiel blau und orange – hinzu. Das Tempo ist dementsprechend noch einmal doppelt so hoch. 400 Nadeln legt der zweite, baugleiche Roboter pro Minute in den Blister ein. Warum in jeden Blister zwei unterschiedliche Nadeln gehören, erläutert Janina Triska, Projektmanagerin bei Uhlmann Pac-Systeme: „Bei diesem Injektionswirkstoff müssen, wie auch bei vielen anderen parenteral verabreichten Medikamenten, zwei Komponenten vor dem Verabreichen gemischt werden. Erst dann entfaltet sich der Wirkstoff. Hier sind die beiden Komponenten zum einen in der Spritze und zum anderen im Vial enthalten. Mit der einen Nadel zieht man den Inhalt des Vials in den Spritzenkörper, die andere dient der Medikamentenverabreichung.“
An dieser Station kommt ein zweites SyPro-Zuführungssystem zur Anwendung, das allerdings ein anderes Transportkonzept nutzt und die Nadeln nebeneinander liegend zuführt. Bei genauem Blick auf den Einlegeprozess fällt auf, dass der Roboter – der jeweils zehn Nadeln greift und einlegt – zwei verschiedene Zyklen fährt. Janina Triska: „Nur so können wir die geforderte hohe Leistung über die beiden Blisterreihen hinweg erreichen und sicherstellen, dass jeweils 200 blaue und 200 orange Nadeln eingelegt werden.“
Die Vials handeln
An der nächsten Station legt der dritte Roboter Vials mit dem zweiten Wirkstoff in die Blister ein. Hier werden die Vials stehend auf einer servogesteuerten LiPro-Zuführung transportiert und beim Abnahmepunkt um 90° Grad gedreht. Der TS2-60 entnimmt mit seinem Vakuumgreifer zehn Vials auf einmal und legt sie gleichzeitig in die entsprechenden Blister ab. Die fertig bestückten Blister werden in den nächsten Schritten per Bildverarbeitung kontrolliert, versiegelt und in der Stanzstation separiert. Nur perfekte Blister werden an den Kartonierer weitergegeben, der diese in Faltschachteln verpackt. Auch eine vierte Zuführeinheit der Blistermaschine ist bereits mit einem Roboter ausgerüstet, bleibt aber vorerst ohne Funktion. Warum erklärt Janina Triska: „Der Kunde wünschte nicht nur eine leistungsfähige, sondern auch eine flexible Anlage. Deshalb haben wir die Maschine so konstruiert, dass sie noch eine weitere Komponente einlegen könnte. Diese Funktion wird aber zurzeit nicht genutzt.“
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Einhalten der Taktzeitvorgaben
Dass an allen vier Stationen und generell in den UPS 5-Anlagen SCARA-Roboter vom Typ Stäubli TS2-60 zum Einsatz kommen, hat gute Gründe. Dieser Robotertyp ist in der Pharmaproduktion weit verbreitet. Ausschlaggebend dafür sind, neben dem Hygienedesign, die Präzision, die lange Lebensdauer und die Dynamik, die hier entscheidend zur Einhaltung der Taktzeitvorgaben beiträgt. Die Bedienung der Anlage ist so einfach und intuitiv wie möglich gehalten. Die Robotersteuerung kommuniziert mit der übergeordneten Schneider-SPS, und als Mensch-Maschine-Schnittstelle wird „Smart Control“ von Uhlmann genutzt: Es ist intuitiv ganz ähnlich wie eine App bedienbar, weil der Anwender ein 3D-Modell der Anlage vor sich sieht und sich per Klick in die Bereiche und Funktionen hineinzoomen kann, die er beobachten oder beeinflussen möchte.
Besondere Anlage auf Basis erprobten Standards
Die GMP-konforme Anlage ist knapp 15 Meter lang und damit die längste, die Uhlmann bisher projektiert und gebaut hat. Es gibt auch weniger komplexe Blistermaschinen, die mit einem Platzangebot von wenigen Quadratmetern auskommen. Dennoch ist diese Anlage nicht nur wegen ihrer Dimensionen beeindruckend. Janina Triska: „Die Maschine verpackt verschiedene Komponenten über verschiedene Zuführungen im Schichtbetrieb bei hoher Geschwindigkeit. Die Roboter und die sonstige Automatisierungskomponenten ermöglichen eine hervorstechende Performance, dank erprobten Standards, guter Abstimmung und dem Ergebnis hoher Kompetenz, die in den Detaillösungen steckt.“ (hw)
Südpack

Pharma-Beutel auch in Standardgrößen
Südpack Medica, Spezialist für Verpackungen für die Pharmabranche, hat eine neue Darreichungsform aufgelegt. Unter dem Namen Med Hub stehen vorgefertigte Beutel in üblichen Standardformaten und definierten Losgrößen parat. Dem Unternehmen zufolge umfasst das Angebot zum einen Rollenware aus Tyvek (Polyethylen-Vliesstoff) sowie Drei-Rand-Siegelbeutel. Die gibt es zum einen aus Folie und Tyvek, sterilisationsfähig, stoßfest, unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und mit den erforderlichen Barriereeigenschaften. Zusätzlich stehen für schwerere Produkte Drei-Rand-Siegelbeutel aus PA/PE in unterschiedlichen Größen zur Auswahl, die neben einer mikrobiellen Barriere auch für die Gamma-Sterilisation geeignet sind.
Sabic

Polycarbonat-Werkstoffe ohne PFAS
Sabic stellt eine neue Familie von Polycarbonat-(PC) Copolymere vor, die nach UL746G zertifiziert sind. Neben seiner Zertifizierung nach UL746G, einer Untersuchungsrichtlinie für fluor- und PFAS-freie Materialien, bietet der neue Kunststoff eine hohe Chemikalienbeständigkeit gegen Desinfektionsmittel und eine UL94-V0-Flammwidrigkeitseinstufung für 1,5 mm dünnwandige Formteile. Das neue Copolymer auf Basis von Polycarbonat kann seine hohe Schlagzähigkeit über längere Zeiträume erhalten, da es der Wirkung aggressiver Desinfektionsmittel langanhaltend widersteht. Das biokompatible, spezifisch ein färbbare Material eignet sich laut Sabic zur Fertigung dünnwandiger, miniaturisierter Komponenten.

