packREPORTer Interview mit interpack Director Thomas Dohse
Ein Wachstumsmarkt im Fokus der Welt
Die interpack steht vor ihrer 2026er-Ausgabe am 7. bis 13. Mai. Rund 2.800 Aussteller aus aller Welt werden ihre neuesten Entwicklungen in Düsseldorf präsentieren und wollen Impulse für die Zukunft in einer global vernetzten Industrie setzen.

Das interpack-Jahr hat begonnen und die Processing- und Packaging-Branche blickt mit spürbarer Erwartung auf ihr globales Branchentreffen 2026.
Hier hören Sie den Podcast mit interpack-Direktor Thomas Dohse:
Der packREPORT hat sich mit interpack Director Thomas Dohse zum Podcast-Gespräch getroffen. Dohse gilt in der globalen Verpackungsbranche und der verwandten Prozessindustrie als bestens vernetzt. Er ist bereits seit dem Jahr 2005 Teil des interpack-Teams bei der Messe Düsseldorf und verantwortete schon die interpack 2017 auf operativer Ebene als Deputy Director. Auf einer "World Tour" im Vorfeld der interpack 2026 traf er Entscheidungsträger und Innovatoren der Verpackungsbranche aus unteranderem den USA, Thailand, Brasilien, Dänemark und Südkorea und konnte spannende Details erzählen.
Verpackungen sind wichtig
Thomas Dohse ist seit 2020 für die interpack zuständig und hat gleich einmal, wie soll man sagen, ein Wellenbad der Gefühle durchmachen müssen. Eine seiner ersten Amtshandlungen war direkt die Verschiebung der interpack um erst einmal ein Jahr, aufgrund der Pandemie. Dann kam die nächste Pandemie Welle und man musste bis 2023 warten.
packREPORT: Hat sich die Verpackungswelt während und nach der Pandemie groß verändert?
Thomas Dohse: Diese Pandemie war natürlich schon ein disruptiver Moment. Da hat sich auch was im Mindset geändert. Für 2020 war noch geplant, Themen wie, “geht ein Leben ohne Verpackung” (Life without Packaging) zu adressieren. Es wurde kritisch hinterfragt, brauchen wir so viel Verpackung. Wie viel muss überhaupt verpackt werden? Wir denken an Verpackungsmüll, an die Probleme, die damit einhergehen. Aber durch die Pandemie hat sich das Mindset wieder gedreht. Man hat plötzlich gesehen, wie wichtig Verpackung insgesamt sind, für den Produktschutz, für die Hygiene im pharmazeutischen und Nahrungsmittel-Bereich. Ein weiteres Thema ist natürlich die Nachhaltigkeit. Also, das sind schon Themen, die sehr stark in den Vordergrund gerückt sind.
packREPORT: Das Thema Nachhaltigkeit wurde ja bereits auf der interpack 1993 in einem Forum gespielt.
Thomas Dohse: Es ist ein Thema, was uns immer bewegt. Nachhaltigkeit ist nicht nur einfach ein Thema an sich, sondern verbunden mit dem Thema Effizienz. Maschinen müssen effizienter arbeiten und auch Packmittel und Produkte müssen effizienter verpackt werden. Die Firmen müssen schon aus ökonomischer Sicht in diese Innovationen investieren. Und der positive Nebeneffekt ist eben, dass auch die Nachhaltigkeit profitiert.
packREPORT: Was können Messen dazu beitragen, um dies noch einmal zu verstärken?
Thomas Dohse: Im Grunde kümmert sich jedes Unternehmen, jeder Aussteller, der am Markt ist, aufgrund dieser Regularien, schon darum es in den Fokus zu rücken. Wir greifen es in unserem sogenannten Forum Spotlight auf, ein Vortragsforum, an welchem an sieben Tagen sieben verschiedene Themen diskutiert werden. Unter anderem auch die PPWR-Auswirkungen auf die Unternehmen, wie man damit umgehen muss, worauf man sich vorbereiten muss. Das ist ein ganz wichtiges Thema.

interpack Director Thomas Dohse gilt in der globalen Verpackungsbranche und der verwandten Prozessindustrie als bestens vernetzt.
packREPORT: Verpackungen haben in der allgemeinen Wahrnehmung ein negatives Image. Man sieht Berichte von Verpackungsmüll in den Meeren, Kunststoffe, die in riesigen Mengen dort schwimmen. Und die Frage stellt sich dann, ist das der Stoff an sich oder ist es der Umgang damit?
Thomas Dohse: Ich denke Letzteres. Also, natürlich geht es darum, wie man vernünftig mit Verpackung umgeht, wie man Recyclingmengen erhöht, wie man Rezyklate wieder nutzt, aber dann wieder in der Verpackung. Die Industrie beschäftigt sich selbstverständlich damit. Der Privatmensch wird das nicht so unbedingt wahrnehmen, das stimmt schon. Aber wir als Messeveranstalter richten uns natürlich eher an die Fachleute als an die breite Masse.
packREPORT: Die PPWR ist am Laufen. Wir müssen nachhaltiger, ökonomischer, effizienter werden. Mit auf der Agenda der interpack steht der Punkt Zukunftskompetenzen. Wie definieren Sie Zukunftskompetenzen?
Thomas Dohse: Future Skills betrifft Themen wie beispielsweise der Fachkräftemangel. Die Verpackungsindustrie, die ja wirklich systemrelevant ist, hat so ein bisschen ein Nischendasein und wird wenig bei der Politik so richtig wahrgenommen. Und wir möchten dazu beitragen, dass die junge Generation sich dafür interessiert und dass auch gut ausgebildete Leute in unserer Branche tätig sein werden. Die Verpackungsindustrie ist glücklicherweise in der Lage, dass sie ein gewisses Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hat. Die Leute müssen essen. Nahrungsmittel müssen immer verpackt werden. Wir brauchen Medizin, wir brauchen Konsumgüter. Weltweit ist es weiterhin ein Wachstumsmarkt, ja, geradezu ein boomender Markt beispielsweise in Asien. Das merken wir auch an der Nachfrage nach Flächen auf unserer Messe aus diesen Ländern.
packREPORT: Sie waren auf einer World Tour und waren in Amerika, in Südamerika und in Asien unterwegs. Wie sehen Sie da die Markt- bzw. Branchenlage?
Thomas Dohse: Es ist sehr interessant, wenn man aus Deutschland kommt. Wir haben ja doch eine etwas getrübte Stimmung und sehen auch gerne mal schwarz. Und es ist ja momentan auch nicht so ganz einfach. Vor allem in Indien, aber auch in China schauen einem die Leute ganz komisch an und sagen: “Wieso, wir haben doch einen super Wachstumsmarkt und es geht doch voran. Gerade in Indien habe ich das erlebt. Eigentlich ist weltweit die Lage ganz vernünftig, vor allem in unserer Branche. Und alle freuen sich auch auf eine Interpack.
packREPORT: Wo werden mehr Fachbesucher herkommen? Aus Asien oder aus den USA und Südamerika?
Thomas Dohse: Ich glaube Asien, denn Asien ist einfach insgesamt die Region mit dem größten Wachstum im Verpackungsbereich, auch mit dem größten Wachstum bei der Bevölkerung. Die Hintergründe sind Nahrungsmittel, Pharma, Konsumgüter als Wachstumstreiber in der Region. Steigende Einkommen, steigende Bedarfe, deshalb ist das weiterhin ein Thema für den Verpackungsmarkt.
packREPORT: Ist die interpack eine reine Leistungsschau oder ist auf einer solch großen Messe wie der interpack, auch die Zeit, mal technische Probleme zu wälzen?
Thomas Dohse: Ich glaube, es geht schon sehr viel ins Detail auf den Messen. Und was ich auch von Unternehmen höre, ist, dass tatsächlich Abschlüsse getätigt werden. Aber es ist auch Raum für die tiefgehenden technischen Diskussionen. Im Großen und Ganzen ist es aber schon eine Leistungsschau, denn im Grunde ist die ganze Welt hier vertreten - über 150 Länder.