Für Alexander Marschall, einer der Gründer der Centralrösterei, muss eine Verpackung mehr leisten, als gut auszusehen.

Für Alexander Marschall, einer der Gründer der Centralrösterei, muss eine Verpackung mehr leisten, als gut auszusehen.

packREPORTER unterwegs

Nachhaltiger Kaffeeklatsch

Die Centralrösterei in Darmstadt ist Teil des mehrfach ausgezeichneten Darmstädter Wein- und Feinkosthandels Vinocentral. Herzstück ist die große Kaffee- und Weinbar, an der man schon morgens um acht Uhr seinen Kaffeedurst stillen kann. Dabei kann unter verschiedenen Röstungen und Kaffee-Mischungen gewählt werden – alle nachhaltig verpackt. Das war nicht immer so. Der packREPORTer zeichnet die Reise zur nachhaltigen Verpackung nach.

Die Gäste im Vinocentral sitzen zwischen prall gefüllten Regalen und genießen, was an Kaffee, Wein, Antipasti, Käse und Schinken zum Verkauf angeboten wird. Das hat am Wochenende oft zur Folge, dass man hier bereits seinen Tag mit einem Kurztrip nach Italien in Form eines Espressos in Kombination mit “il dolce” beginnt und den Abend bei einem Aperitivo ausklingen lassen kann. Damit der Kaffee noch ein bisschen authentischer schmeckt, werden alle Kaffee-Kreationen in der hauseigenen Kaffeerösterei frisch geröstet.

Verpackung muss mehr leisten

Alexander Marschall, einer der Gründer des nach dem Vorbild einer italienischen Caffè- und Wein-Bar ausgerichteten Feinkost­handels, nimmt uns mit auf seiner Reise zu einer nachhaltigen Verpackung. „Die Frische und das Aroma des Kaffees beim Ver­packen zu bewahren, ist eine der wichtigsten Herausforderungen für jeden Röster oder jede Marke. Kaffee verliert bereits beim Rösten sein Aroma”, erklärt er. Die Einwirkung von Sauerstoff, Licht, Feuchtigkeit oder Hitze kann diesen Prozess erheblich beschleunigen. „Und die Verpackung beeinflusst Produktqualität, Markenwahrnehmung, Versandkosten, Nachhaltigkeit und letztendlich die Kunden­zufriedenheit“, ergänzt er. Eine Verpackung muss aber mehr leisten als nur gut auszusehen – sie muss in der heutigen Zeit auch Nachhaltigkeitsziele unterstützen, um das Kundenvertrauen zu stärken.

Nachhaltigkeit hat 2026 für Verbraucher in Deutschland eine hohe, aber differenzierte Bedeutung. Sie wird zunehmend vom Trend zum festen Bestandteil des bewussten Konsums. Den Umfragen nach verfügen zwei Drittel der Verbraucher über ein ausgeprägtes Nachhaltigkeitsbewusstsein, und etwa die Hälfte kauft aktiv nachhaltig ein. Der Trend geht hin zu "weniger, aber hochwertiger". Sie sind bereit, bis zu 9 Prozent mehr für nachhaltige Produkte zu zahlen. Dennoch achten rund 86 Prozent der Verbraucher auf den Preis, was bedeutet, dass Nachhaltigkeit oft ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erfordert.

In der Rösterei stapeln sich Kaffeesäcke mit Kaffeebohnen aus nachhaltigem Anbau.

Eine gewisse Manufakturanmutung

„Diese Kraftpapiertüten sahen so schön eckig aus mit diesem braunen Packpapier und hatten eine gewisse Manufaktur-Anmutung. Aber das war ja Papier mit einer ganz dünnen Folienauskleidung, also Verbundmaterial. Aber die konnte man natürlich nicht trennen. Die Leute fanden es trotzdem ganz toll, weil es so ein bisschen nach Manufaktur aussah“, kommentierte Alexander Marschall die Konsumentenmeinung. „Über die Umweltfreundlichkeit scheint man sich da wenig Gedanken gemacht zu haben. Das war eigentlich eher der Look der Verpackung. Man hatte das Gefühl, man habe Papier in der Hand, obwohl es irgendwie doch eine Plastiktüte war. Das ist eigentlich auch ein bisschen Betrug.“ Die ersten Kaffeetüten der Central­rösterei waren zudem noch unbedruckt. Die rechtlich vorgeschriebenen Informationen zu den Kaffeebohnen, wie etwa Angaben zu Varietät, Herkunft der Bohnen oder Röstdatum, Mindesthaltbarkeitsdatum (Angabe auch nach Öffnung) und Hinweise zur Lagerung (trocken, gekühlt, dunkel), wurden auf eine Papierlasche gedruckt und über die Öffnungsseite geklammert. „Auch einen QR-Code zum Scannen hatten wir aufgedruckt“, erklärt Marschall. Da die Darmstädter sich immer als Early Adopters sehen, hat man sich kurz nach der Coronazeit entschlossen, ganz gezielt nach umweltfreundlichen Möglichkeiten zu suchen. Zusammen mit einem befreundeten Röster aus Wiesbaden sondierte man die Möglichkeiten. Geblieben sind neben Kaffeeverpackungen aus PP (Polypropylen) auch normale PET-Flaschen. Auch die PET-Flaschen sind zu 100 Prozent recycelbar und durch ein Pfandsystem könnte man die Flaschen wieder im Kreislaufsystem nutzen. Doch die Darmstädter setzten auf Kaffeeverpackungen aus PP, die Nachhaltigkeit durch Recyclingfähigkeit mit den hohen Anforderungen an Aromaschutz verbinden. „Design for Recycling war die Lösung für uns“, erklärt Marschall die Entscheidung.

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PP schlägt PET

Die Lösungen aus sogenannten Mono-PP-Materialien sind als Einstoffverpackungen voll recyclingfähig. Im Gegensatz zu Verbundmaterialien (PET/Alu/PE) können reine PP-Verpackungen (Mono-Material) in den gelben Sack gegeben und sortenrein getrennt werden. Zudem ist PP physiologisch unbedenklich, geruchsneutral, wasserdicht und bietet eine gute Barriere gegen Feuchtigkeit. Da PP-Folien hochtransparent sein können, ermöglicht dies eine auch ansprechende Produktpräsentation. Bei der Wahl der richtigen Art der PP-Verpackung hatte man die Wahl zwischen Mono-PP-Laminaten. Dies sind Verpackungen, die aus verschiedenen PP-Schichten bestehen, aber als eine Materialklasse (PP) recycelt werden können. Sie bieten zudem eine sehr gute Barriere gegen Sauerstoff und Aromaverlust. Dann standen noch Standbodenbeutel (Doypack) und Seitenfaltenbeutel aus PP zur Auswahl. Standbodenbeutel sind ideal für die Regalpräsentation, bieten eine große Fläche für Branding und sind standfest. Seitenfaltenbeutel, also der Klassiker für Kaffee, werden oft mit einem Aromaschutzventil ausgestattet. Ein solches Aromaschutzventil, natürlich auch aus PP, um das Mono-Material-Konzept nicht zu stören, ist unverzichtbar für frisch gerösteten Kaffee. Es lässt CO₂ entweichen, verhindert aber das Eindringen von Sauerstoff. Für die Wiederverschließbarkeit entschied sich das Team um Alexander Marschall für einen Druckverschluss (Zipper) aus PP, was für Komfort beim Kunden sorgt und den Kaffee nach dem ersten Öffnen frisch hält. Auch musste man darauf achten, dass die PP-Folien speziell beschichtet sein müssen, um den Kaffee vor Oxidation zu schützen. Auch beim Aufdruck achtete man auf die verwendeten Druckfarben, denn sie sollten den Recyclingprozess nicht behindern.

Die interpack als Entscheidungshilfe

Mit diesem Anforderungspaket besuchte man die interpack, die internationale Messe für die Processing & Packaging Branche in Düsseldorf. „Neben diesem Anforderungspaket wussten wir zudem, dass wir 250 Gramm, 500 Gramm und 1 Kilo Beutel benötigten“, erklärt Marschall. Beim Rundgang durch die Hallen waren ein paar Unternehmen, die behaupteten, dass sie demnächst etwas im Portfolio haben werden, was diesem Anforderungsprofil genügen würde. „Das hat sich aber alles nicht bestätigt“, zeigte sich Marschall enttäuscht.

Muster waren entscheidend

Etwas später suchte man aufgrund der gemachten Erfahrungen im Internet nach einem Hersteller und fand sowohl in Polen als auch in Griechenland Anbieter. „Die hatten fix und fertige Beutel im Portfolio“, zeigte sich Alexander Marschall damals überrascht. „Du konntest auch auswählen zwischen Beuteln mit oder ohne Zipper oder eben auch konventionellen Beuteln. Es gab eine Vorlage für das Artwork für dein eigenes Design und es war Glanzfarbe hinterlegt. Diese Layer hatten alle verschiedene Aus- und Anschnitte. Wir haben uns dann gleich entsprechende Muster kommen lassen.“ Dass man sich Muster kommen ließ, war die richtige Entscheidung, denn es gab eine ganze Produktlinie, bei der die Zipper nicht richtig aufgingen oder sie sind beim Öffnen abgerissen. „So sind die Anbieter aus Polen und aus Griechenland aus der Auswahl rausgefallen, auch weil wir gerne einen deutschen Anbieter hätten“, kommentierte Maschall. „Den haben wir dann auch gefunden. Das Bestellportal ließ sich einfach handhaben.“

Die alte Kraftpapiertüte im Vergleich zur neuen, nachhaltigen Mono-Material-Verpackung.

Auf Unverständnis folgt Zustimmung

Die Reaktionen der Verbraucher auf die neuen Beutel waren zuerst von Skepsis geprägt. „Kommentare wie, oh, das ist ja Plastik‘ waren an der Tagesordnung“, erinnert sich Alexander Marschall. „Die alten Beutel waren doch aus Papier und damit sicherlich nachhaltiger. Warum macht ihr denn so was? Es wurde als Rückschritt empfunden. Wir mussten dann viel Aufklärung betreiben. Aber mittlerweile ist es bei unseren Kunden angekommen.“ Die Erfahrungen, die die CentralRösterei in Darmstadt mit der Umstellung auf Monomaterial-Beutel gemacht hat, gleichen sich sicherlich mit denen anderer Röstereien. Alexander Marschall kann auf jeden Fall empfehlen, Zeit zu investieren, um herauszufinden, was wirklich die beste Option ist. „Das Wichtigste ist, sich in den Kunden hinein zu versetzen und zu schauen, wo der Kunde steht, mit welcher Wissensbasis er einkaufen geht und wie man abseits der Wertigkeit des Inhaltes auch das Drumherum besser kommuniziert. Dicht, angenehm in der Haptik sowie mit einer gewissen Standfestigkeit im Regal und zirkulär – mit dieser Idee sind wir damals auf eine Lernreise gegangen. Sie ist noch nicht abgeschlossen, aber wir haben ein klares Bild und eine klare Haltung entwickeln können, welche Eigenschaften eine gute Kaffeeverpackung haben muss und was für uns keinen Sinn ergibt. Diese Reise haben wir auch mit unseren neuen Kaffeekapseln gestartet, aber das ist eine andere Geschichte“, schließt Alexander Marschall. (hw)