Stimmungsbarometer „Empack“

Entspannung im Markt

Bild: EMPACK / Sara Barth

Die Schweizer Verpackungsbranche hat turbulente Zeiten hinter sich. Wer sich gegenwärtig umhört – zum Beispiel auf der Messe „Empack“ – registriert vorsichtigen Optimismus.

Andreas Zopfi nutzte die „Empack 2026“ in Bern für ein Lob an die Branche. So sei Guideline des SVI für die ab Februar notwendigen Konformitätsnachweise zu Druckfarben (siehe Seite 10) innerhalb eines Jahres erarbeitet worden – mit den unterschiedlichsten Branchenvertretern. „Wir sind konsensfähig. Versuchen Sie das mal in der EU“, sagte der Geschäftsführer des Schweizer Verpackungsinstituts (SVI). Er sei stolz, dass in der Schweiz etwas bewirkt werde, was im Ausland in dieser Form nicht möglich sei. Beispiel PPWR: Die Verpackungs­verordnung der EU sei extrem umfang­reich und detailliert, die Schweiz halte ihre entsprechende Verordnung dagegen schlank. „Freut Euch auf die Übernahme der Bilateralen Verträge III“, sagte Zopfi mit einem Schuss Ironie.

Stabile Empack Die jährlichen Messen „Empack“ und „Logistics & Automation“ sind mit stabilen Zahlen zu Ende gegangen. 179 Aussteller und Partner sowie 3.121 Fachbesucher zählte Ver­anstalter Easyfairs International. Die dritte Auflage in Bern habe Halle 3.0 der Bernexpo voll ausgelastet, sagte Interims-Messeleiterin Kristina Nadjarian.

Die Zahl der Aussteller sei im Ver­gleich zum Vorjahr stabil gewesen, die Zahl der Besucher stieg um etwa drei Prozent im Vergleich zur Berner Auflage von 2024. Die Messe „wurde ihrem Ruf als unverzichtbare Branchenplattform gerecht“, so Nadjarian. 2027 ist wieder die Zürich Schauplatz des Messe-Doppels (27./28. Januar). Nadjarian kündigt an, dort umzuziehen: von den Hallen 3 und 4 in die Hallen 1 und 2, um eine „kleinere Vergrösserung“ von etwa zehn Prozent umzusetzen. 2025 hatte Easyfairs mehr als 200 Aussteller und Partner in Zürich gezählt.

Der Hintergrund freilich ist ernst: Die Schweiz validiert gegenwärtig die Bilateralen Verträge mit der EU. Sollte am Ende eine Zustimmung stehen, „würde es auch zu einer automatischen Rechtsübernahme kommen“, so Zopfi. „Meine Angst dabei ist, dass die ganze EU-Bürokratie auch unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit schwächen wird. Der pragmatische Weg des Schweizer Gesetzgebers würde dann den Funktionären in Brüssel überlassen.“ Ob das so passiert, sei allerdings noch nicht fix: Das Schweizer Volk wird vermutlich 2027 über das Vertragspaket „Bilaterale III“ zur erweiterten Beteiligung der Schweiz am Europäischen Binnenmarkt abstimmen.

Insgesamt aber lässt sich aus Zopfis Worten ein inzwischen entspannteres Verhältnis der Schweizer zur PPWR herauslesen: „Vor zwei Jahren herrschte wegen der Regulationsvorgaben der EU Totengräberstimmung“, sagte Zopfi. „Im vorigen Jahr war die Stimmung schon besser, in diesem Jahr ist das Thema fast gegessen. Was in der Branche umgesetzt wurde, ist super.“ Die Anforderungen der PPWR und der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) seien erkannt und würden von der Schweizer Verpackungsindustrie umgesetzt.

Auf einem sehr guten Weg

Besonders hebt er die Entwicklung immer dünnerer Folien hervor – und neuer Monomaterialien. Das war auch auf der „Empack“ zu sehen, Schelling etwa stellte eine neue Verpackung aus 100 Prozent Papier mit einer Barriere aus wasserbasiertem Lack vor. Sie ist Teil der Initiative „Substitutes Green“: Schelling hat es sich zum Ziel gesetzt, „bestehende Verpackungen und Einlagen aus Kunststoff durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen“. Vor diesem Hintergrund „ist die PPWR für uns kein Angstfaktor“, sagt Marketing-Manager Dominik Müller.

„Der Wille ist da, und wir sind auf einem sehr guten Weg“, fasst Zopfi zusammen. Dennoch stehe das Thema Kreislaufwirtschaft erst am Anfang und es gebe noch einige grosse Hindernisse. „Wir haben nicht genug Verarbeiter und zu wenig Mengen, um die Kreisläufe wirtschaftlich zu betreiben“. Mit einem ähnlichen Problem kämpft Deutschland (siehe packREPORT, Seite 10) – im Gegensatz zum nördlichen Nachbarn aber sei in der Schweiz die Sammelinfra­struktur für Kunststoffe noch in der Aufbauphase. „Um ein wirtschaftlich sinnvolles Recycling umsetzen zu können, brauchen wir Mengen“, sagt Zopfi.„Die müssen nun gesammelt und dem Kreislauf zugeführt werden. Da in der Schweiz die Abfall-Hoheit bei den Kommunen liegt, ist es nicht einfach, die Abfallströme zu leiten.“ Während die Branche sich innovativ und anpassungsfähig zeigt, treibt sie Absatzsorgen um.

„Die Nachfrage könnte grösser sein“, heisst es am Stand eines Anbieters von Kartonverpackungen. „Das merkt die ganze Branche und liegt einfach daran, dass weniger Produkte verkauft und also weniger Verpackungen gebraucht werden.“

Die offizielle Statistik der Schweiz scheint das nicht abzubilden. Bereinigt um Verkaufs- und Feiertagseffekte wuchs der reale Umsatz im Schweizer Detailhandel im Dezember 2025 um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Dezember, so das Bundesamt für Statistik (BFS). Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren lagen etwas darunter (real plus 1,3 Prozent), Nicht-Nahrungsmittelsektor etwas darüber (real plus 5,2 Prozent). Auch der langjährige Detailhandels-Index des BFS zeigt seit Anfang 2024 wieder leicht aufwärts. Aber: Die Statistik unterscheidet nicht nach Warenherkunft. „Hier steht vor allem der Import von Waren im Vordergrund“, sagt SVI-Chef Zopfi. „Also Waren, die schon verpackt importiert werden.“

Dazu kommen zum Beispiel für Versandverpackungen immer noch Effekte der Covid-19-Pandemie. Tobias Sommer, Geschäftsführer des auf Transport- und Sekundärverpackungen spezialisierten Händlers Prodinger, nennt 2025 ein „anspruchsvolles Jahr mit spürbarem Margendruck“. „Die Pandemie ließ die Nachfrage nach Versandverpackungen stark steigen, gleichzeitig wurden hohe Sicherheitsbestände aufgebaut.“

Erhöhter Preisdruck

2024/25 habe es eine klare Gegenbewegung gegeben, so Sommer. Er nennt Paletten als Beispiel: Neue Europaletten hätte in der Spitze bei fast 50 Euro gelegen, derzeit liege der Preis bei bis zwölf bis 15 Euro. Preiserhöhungen der Hersteller ließen sich bislang nur begrenzt durchsetzen: „Ein strukturell intensiverer Wettbewerb in Europa und zusätzliche Volumina aus Asien erhöhen den Preisdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“ Kurz: „Nach den Ausnahmejahren kehren wir in einen normalisierten, aber deutlich kompetitiveren Markt zurück.“Die Maschinenbranche zeigt sich dagegen zufrieden mit der gegenwärtigen Situation. „Auch wenn es im allgemeinen Maschinenbau voriges Jahr etwas gerumpelt hat“, sagt Philippe Bauer, Geschäftsführer bei Peyer Marking, Provider für industrielle Kennzeichnung und Etikettierung, „wir realisieren komplexe Lösungen für die nationale Industrie und konnten uns gut vom allgemeinen Trend abkoppeln.“ Globale Unsicherheiten hätten

das Geschäft kaum tangiert. „Die Maschinenbauer haben sich arrangiert“, sagt Bauer. „Wir starten also von einem ohnehin hohen Niveau und spüren, dass die Aufträge aktuell sogar noch weiter zunehmen.“

Investitionen nachgeholt

Vom Zoll-Hin-und-Her gibt sich zum Beispiel Videojet unbeeindruckt. „Wer in industrielle Kennzeichnungssysteme investiert, denkt in längeren Phasen – nicht in Zollperioden. „Unsere Geräte kauft niemand für sechs Monate, sondern eher für sieben bis zehn Jahre“, sagt Mirko Ackermann, Commercial Manager Switzerland & Austria von Videojet Technologies. „Ich kann nicht sagen, dass die Zölle der USA uns in der Schweiz beeinträchtigt haben. Dazu war schlicht die Zeit zu kurz.“ Der Codier- und Markierungsmaschinen-Hersteller ist zwar Teil eines internationalen Konzerns, mittelbar aber dennoch von den Zöllen betroffen. „Unsere Schweizer Kunden verkaufen ihre Maschinen auch in die USA.

Reto Schlumpf, Verkaufsleiter Schweiz beim Händler und Lösungsanbieter BVS Verpackungssysteme, zeigt sich mit der aktuellen Entwicklung sehr zufrieden. „Im Jahr 2025 haben viele Kunden die Investitionen nachgeholt, die 2024 noch zurückgestellt worden waren“, sagt er. Zwar sei die Nachfrage nicht in allen Segmenten gleichermaßen stark. Rückgänge würden jedoch durch andere Unternehmen mehr als ausgeglichen, die ihre Projekte ausbauten oder zusätzliche Kapazitäten schafften. „Die Marktlage ist gut“, sagt er. „Wir verzeichnen ein solides Wachstum, und der Umsatz entwickelt sich entsprechend erfreulich.“

Autor: Stefan Becker