Gastbeitrag

Darum serialisiert Coca-Cola Wasserflaschen

Auslesen serialisierter Wasserflaschen bei Coca-Cola. Fotocredit: CCEP DE

Jede Flasche des neuen 0,75-Liter-Formats der Coca-Cola-Wassermarken „Apollinaris“ und „Vio“ erhält eine digitale Identität. Wozu das gut ist, erläutert Managerin Maika Seidler in ihrem Gastbeitrag.

Bisher basieren Umlaufzahlen und Verlustannahmen für Mehrweg-Glasflaschen branchenweit auf Erfahrungswerten und Modellen. Coca-Cola Europacific Partners Deutschland (CCEP DE) kennzeichnet deshalb gemeinsam mit dem Glasflaschenlieferanten Vetropack und dem Start-up Myneral Labs jede neue 0,75-Liter-Mehrweg-Glasflasche der Marken „Apollinaris“ und „Vio“ mit einem individuellen Code.

Das Verfahren ist das erste seiner Art für Mehrweg-Glasflaschen in der Getränkeindustrie: Erstmals lassen sich einzelne Flaschen über viele Umläufe im Kreislauf nachverfolgen.

Der Datamatrix-Code ist ein Rechteck aus kleinen Punkten. Er sitzt unauffällig am Flaschenhals und trägt eine Seriennummer, also eine Art digitalen Fingerabdruck. Er dient als eindeutiger Identifikator, über den alle Informationen zur Flasche verknüpft sind: bei welchem Lieferanten die Flasche hergestellt wurde und wann eine Flasche auf welcher Produktionslinie befüllt wurde. Mit jedem Durchlauf wächst ihr digitaler Lebenslauf.

PET-Mehrwegflaschen lassen sich seit Jahren per Laser markieren, denn der Kunststoff ist weicher. Bei den deutlich härteren Glasflaschen galt das bisher als kaum machbar. Für das Lasern muss die Flasche erhitzt werden, dadurch kann das Glas instabil werden. Bei Flaschen, die viele Male befüllt, gereinigt und transportiert werden, ist das eine Herausforderung.

Den Anstoß für das neue Serialisierungsverfahren gab die Einführung einer neuen 0,75-Liter-Mehrweg-Glasflasche für „Apollinaris“ und „Vio“. Einen kompletten Flaschenbestand tauscht ein Abfüller nur sehr selten aus. Das war die Chance, alle Flaschen im Pool zu serialisieren.

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Vetropack kannte Datamatrix-Codes bereits von Einwegglas und passte die Gravur schrittweise an Mehrwegglas und den neuen Flaschentyp an. Heute graviert der Glashersteller die Codes direkt bei der Glasproduktion. Das Start-up Myneral Labs liefert die KI-gestützte Kameratechnologie und die Software zur Datenauswertung.

Im Januar 2026 liefen in Bad Neuenahr, wo „Apollinaris“ abgefüllt wird, die ersten codierten Flaschen unter realen Bedingungen über das Band. Im April folgte eine Linie in Lüneburg, wo „Vio“ abgefüllt wird. Bereits wenige Monate nach dem Start zeigte sich, dass die Codes den Belastungen des Mehrwegkreislaufs standhalten: Die ersten Flaschen wurden zum zweiten, teils schon zum dritten Mal erfasst und zuverlässig wiedererkannt.

Die Flaschen werden derzeit erst einmal an der Wiedereintrittsstelle in die Produktionslinie gescannt. Dort lesen KI-gestützte Kamerasysteme die Seriennummer bei jedem Durchlauf aus. An den Coca-Cola-Standorten Bad Neuenahr und Lüneburg sind es jeweils drei Systeme mit je vier Kameras.

Aus dem Abstand zwischen zwei Scans derselben Flasche in einem der beiden Werke ergibt sich ihre Umlaufdauer. Die einzelnen Stationen außerhalb des Werks könnten perspektivisch auch in die Scanvorgänge eingebunden und dadurch im Kreislauf sichtbar gemacht werden.

Doch selbst jetzt, wo Flaschen erst einmal nur bei Coca-Cola in der Produktion gescannt werden, lassen sich bereits wichtige, statistisch belastbare Erkenntnisse über das Verhalten des Mehrwegpools gewinnen, zum Beispiel zu durchschnittlichen Umlaufdauern, regionalen Rücklaufmustern und Unterschieden zwischen Gebinden und Vertriebsgebieten.

Den unmittelbaren Nutzen liefert der Code bei ausgeschleusten Flaschen. Dass eine Flasche wegen Glasbruchs oder Rückständen aussortiert wurde, war auch vorher bekannt. Warum gerade diese Flasche, blieb offen. Jetzt lassen sich gemeinsam mit dem Lieferanten Rückschlüsse bis zur Charge ziehen. Kommen auffällig viele ausgeschleuste Flaschen aus einem Produktionsbatch, kann Vetropack gezielt die Ursache analysieren. Probleme werden so schneller erkannt und genauer eingekreist. Künftig sollen Daten aus dem eigenen Prozess hinzukommen, zum Beispiel aus der Flaschenwaschmaschine.

Die gewonnenen Daten schaffen zusätzliche Transparenz. Künftig können sie bisherige Annahmen ergänzen und dabei helfen, den Flaschenbestand präziser zu steuern und zu planen. Mehr Transparenz im Pool kann perspektivisch dazu beitragen, Verluste zu reduzieren, Umlagerungen und Transporte bedarfsgerechter zu planen und gemeinsam mit dem Lieferanten den Bedarf an neuen Flaschen genauer zu bestimmen. Brauchen etwa Flaschen der Marke „Apollinaris“ im Schnitt deutlich länger für die Rückkehr nach Bad Neuenahr als Flaschen der Marke „Vio“ nach Lüneburg, ist das ein Anlass, gemeinsam mit Handel und Logistik nach den Gründen zu suchen.

Eine eindeutige Identifizierung einzelner Verpackungen kann eine Grundlage für künftige Transparenz- und Informationsanforderungen schaffen, perspektivisch auch für Konzepte wie den Digitalen Produktpass.

Denkbar sind auch Informationen für Konsumentinnen und Konsumenten, etwa zum Getränk, zur Verpackung, zum Mehrwegkreislauf oder zu Nachhaltigkeitsthemen. Die über die Gravur erreichbaren Informationen könnten zum Beispiel daran erinnern, leere Flaschen zeitnah zurückzubringen. Ein gelaserter Code im Glas ist mit dem Smartphone und entsprechenden Apps grundsätzlich lesbar. Im Fokus steht derzeit aber die automatisierte Erfassung durch die Kamerasysteme in der Produktion.

CCEP DE versteht die Serialisierung des Glasflaschenpools als strategische Investition in die Digitalisierung der Kreislaufwirtschaft. Den Mehrwert sieht das Unternehmen in einer digitalen Infrastruktur: Sie liefert heute bereits Qualitätsdaten und schafft die Grundlage für künftige Anwendungen und Anforderungen.

Maika Seidler Fotocredit: CCEP DE

Die Autorin

Maika Seidler ist Senior Manager Digital Innovation & Experimentation im Bereich Customer Service & Supply Chain bei Coca-Cola Europacific Partners Deutschland. Sie leitet das Pilotprojekt zur Serialisierung von Mehrweg-Glasflaschen. Das Deutsche Verpackungsinstitut hat das Projekt mit dem Deutschen Verpackungspreis 2026 in der Kategorie „Digitalisierung“ ausgezeichnet.

Infobox

Und Vetropack?

Wie Vetropack die serialisierten Flaschen für Coca-Cola herstellt, lesen Sie in einem Interview in „Pack aktuell“.