Geburtstags-Fragebogen

100 Jahre Stanzformen: Drei Fragen an Marbach

Peter Marbach Foto: Taube Photoproduction

Mit dem „Geburtstagsfragebogen“ würdigt der „Packreport“ Unternehmen und Produkte mit einem runden Jubiläum. Diesmal: Drei Fragen an Stanzformen-Hersteller Marbach.

1926, drei Jahre nach der Gründung, hat Marbach, heute ein weltweit agierender Hersteller, die erste Stanzform gefertigt. „Seither hat sich die Technologie grundlegend gewandelt – von handwerklicher Einzelarbeit hin zu hochpräzisen, industriellen Fertigungsprozessen“, schreibt das Unternehmen. Peter Marbach, Geschäftsführender Gesellschafter, antwortet auf drei Fragen zu damals, heute und demnächst.

Damals: Seit der ersten Stanzform 1926 und bis zur Einführung der Laser-Technik Anfang der 1970er-Jahre war Stanzform-Herstellung Handarbeit. Gibt es Techniken aus dieser Zeit, die Sie heute noch anwenden?

Auch heute ist die Herstellung einer Stanzform ein handwerklicher Prozess – trotz moderner Maschinen und Automatisierung. Die Grundkonstruktion hat sich dabei seit den Anfängen nicht verändert: Eine Stanzform besteht weiterhin aus einer Trägerplatte und den Schneidlinien. Viele traditionelle Arbeitsweisen sind fest im Produktionsalltag verankert. So haben wir beispielsweise noch eine Säge in der Produktion, wenn kurzfristig schnelle Änderungen an der Trägerplatte notwendig sind. Ebenso kommen täglich Handgeräte für die Linienbearbeitung zum Einsatz, etwa zum Biegen, Ablängen oder Ausklinken der Linien.

Heute: „Connect-M“ geht über die bloße Stanzmaschine hinaus und „vernetzt Maschine, Werkzeug und Anwender“. Inwieweit ermöglichen Sie damit Dark Factories?

„Connect-M“ ist bewusst als unterstützendes, maschinenunabhängiges System konzipiert: Es erfasst Prozess- und Zustandsdaten, stellt diese transparent zur Auswertung bereit und übernimmt darüber hinaus das Management der Stanzformen. So hilft es, Engpässe zu erkennen, Rüst- und Stillstandszeiten zu reduzieren und die Produktivität zu steigern – ohne selbst in den Maschinenbetrieb einzugreifen. Genau darin liegt der Unterschied zu einer Dark Factory: Für vollautonome, unbeaufsichtigte Produktion müssten Systeme aktiv in Steuerungen eingreifen, Entscheidungen auf Maschinenebene treffen und Prozesse eigenständig regeln. „Connect-M“ tut das nicht. Es vernetzt Maschine, Werkzeug und Anwender, schafft Datenklarheit und optimiert Abläufe, ersetzt jedoch nicht den Bediener oder die Maschinensteuerung.

Demnächst: Lange konnte sich niemand vorstellen, dass Buchdruck ohne Bleisatz möglich sein könnte. Sehen Sie eine Technik kommen, die auch Stanzformen überflüssig macht, etwa indem Laser die Verpackungen direkt schneiden?

Es hat in der Vergangenheit durchaus Versuche gegeben, Verpackungen ausschließlich per Laserstrahl zu schneiden. In der Praxis konnten sich diese Ansätze jedoch nicht durchsetzen. Ein zentraler Grund ist die Materialbeeinflussung durch den thermischen Prozess: Die Kartonfasern werden an der Schnittkante „angebrannt“, was zu sichtbaren Verfärbungen, vor allem zu einem wahrnehmbaren Geruch führen kann. Ein weiterer entscheidender Vorteil der klassischen Stanztechnik ist zudem die Produktivität: Mit einer Stanzform lassen sich in kürzester Zeit sehr große Stückzahlen prozesssicher und mit konstantem Schnittbild herstellen. Während ein Laser die Konturen sequentiell „abfahren“ muss, bildet die Stanzform die komplette Kontur in einem Hub ab.

Der Autor: Stefan Becker