GVM

Neue Aufgaben außerhalb Europas

Von Mainz aus zunehmend in die Welt: Kurt Schüler und Nicolas Cayé

Fotocredit: Stefan Becker

Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung registriert vermehrt Studienaufträge für Länder in Asien. Eine Weltdatenbank entstehe dabei nicht – aber es sei klar: Die erweiterte Herstellerverantwortung gewinne weltweit an Gewicht.

Die GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung sitzt fast versteckt in einem unscheinbaren Bürogebäude im Süden von Mainz. In ihren Datenbanken aber hat sie die deutsche Verpackungsbranche längst mehr oder weniger komplett, allen voran in der „Datenbank Marktmenge Verpackungen“. Auch aus dem europäischen Ausland kommen regelmäßig Aufträge – insgesamt, so Kurt Schüler, alleiniger Inhaber und Geschäftsführer der 1977 gegründeten GVM, könnten sein Team und er verlässliche Statistiken zu den 27 EU-Mitgliedern und zu Großbritannien recherchieren und liefern. Am umfangreichsten zu Deutschland und Österreich.

Seit 2017, also seit fast zehn Jahren, erhalte die GVM vereinzelt Aufträge auch zu weit entfernten Ländern, etwa zu Jordanien, dem Irak und südostasiatischen Ländern. In jüngerer Zeit habe das spürbar zugenommen, sagt Schüler. Die Auftraggeber kämen weniger aus den Ländern selbst, sondern seien zum Beispiel Händler aus Deutschland, die international arbeiten, staatliche Einrichtungen wie die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) oder Non-Profit-Organisationen wie der WWF.

Der Grund: Das Konzept der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Verpackungen „ist inzwischen in allen Teilen der Welt ein Thema“, sagt Schüler. Im Zentrum stehe Marine Litter, also der Eintrag von Verpackungsabfällen aus großen Flüssen in die Weltmeere. „Die Bilder von Flüssen voller Plastikmüll gehen ja regelmäßig um die Welt“, sagt Schüler. „Die Anrainerstaaten stehen stark im Fokus, der Handlungsdruck ist gewaltig.“

Die Studien der GVM zu diesen Ländern beschäftigen sich mit denselben Fragen, wie sie für Deutschland üblich sind: Welche Mengen welcher Verpackungen fallen an? Und die Studien entstünden prinzipiell auch genauso, sagt Nicolas Cayé, Projektleiter und Prokurist der GVM: durch standardisierte Umfragen unter den Marktteilnehmern, durch Daten von Verbänden und Statistikämtern, durch den Zukauf von Daten und durch volkswirtschaftliche Daten etwa zum Konsumverhalten.

Nicht zuletzt reisten GVM-Leute in die Länder und gingen in die Märkte, um einen Eindruck von Art und Verbreitung verschiedener Verpackungen zu erhalten. „Die nationalen Distributionsstrukturen sind für die Bestimmung des Verpackungsaufkommens ebenso wichtig wie das Konsumniveau und die Packmittelstruktur“, sagt Cayé. Lokale Übersetzer und Dienstleister unterstützten dabei. Allerdings würden nicht alle Projekte, für die die GVM Daten liefere, auch umgesetzt. „Die Notwendigkeit zu handeln wird gesehen – die Motivation, das auch umzusetzen, ist sehr unterschiedlich“, beobachtet Schüler.

Ist die GVM also auf dem Weg zur Welt-Verpackungsdatenbank? „Nein, davon sind wir weit entfernt“, sagt Schüler. Es gehe um thematisch genau gefasste Studien für einzelne Länder und Auftraggeber. Und die seien mitunter gar nicht für Repräsentativität geeignet.

Den Schwerpunkt der GVM-Arbeit sehen Schüler und Cayé auch weiterhin in Deutschland, Österreich und EU-Europa. „Einen Vielfliegerstatus“, sagt Cayé, „habe ich mir noch nicht erflogen.“

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Klatsche für kommunale Verpackungssteuern

Gemeinsam mit dem Heidelberger Institut Ifeu und im Auftrag von acht Verbänden attestiert die GVM kommunalen Verpackungssteuern weitgehende Wirkungslosigkeit.

„Das umweltpolitische Ziel, Abfall zu vermeiden, wird kaum erreicht“, heißt es im Fazit der Studie „Ökonomische und ökologische Bewertung der Auswirkungen kommunaler Verpackungssteuern“ vom August 2026. „Das umweltpolitische Ziel, den Mehrwegeinsatz zu steigern, wird nicht in zufriedenstellendem Umfang erreicht.“

Zwar seit zu erwarten, dass bei einer bundesweiten Einführung kommunaler Verpackungssteuern das Aufkommen von Gastronomieverpackungen um etwa 6,5 Prozent sinkt, auf das Gesamt-Verpackungsaufkommen gerechnet bedeute das aber nur ein Minus von 0,04 Prozent. Auf die Siedlungsabfälle hätte die Steuer mit minus 0,02 Prozent keinen spürbaren Effekt.

Dem stünde ein begrenztes Einnahmeplus von maximal einem Prozent gegenüber, verbunden mit sehr hohem Aufwand für Unternehmen und hohem Aufwand für Kommunen: Zehn bis 15 Prozent des Steueraufkommens flössen in die Verwaltung. Dazu steige der wirtschaftliche Druck auf die Gastronomie. Eine Folge sei eine kleinteilige Regulierung, die ebenso kleinteilige Umgehungslösungen zur Steuervermeidung provoziere.

Insgesamt erwartet die GVM bei einer bundesweiten Einführung kommunaler Verpackungssteuern eine zusätzliche Abgabenbelastung von vier Milliarden Euro – und 89 Prozent der Verpackungen würden doppelt belastet.