Verpackungsmaschinenbau

Nachhaltigkeit wird zum Schlüsselfaktor

Blick von oben: Messestand von Packaging Valley mit Mitgliedsunternehmen.

Fotocredit: Packaging Valley

Der Verpackungsmaschinenbau stellt eine spezifische Nische innerhalb des Maschinenbaus dar, die in der öffentlichen Wahrnehmung keine große Rolle spielt. Dies, obwohl die Branche über viele Jahre hinweg höchst erfolgreich ist und sich bislang in jeder Krise behaupten konnte. Insbesondere größere Verpackungsmaschinen vereinen technologisch ziemlich alles in sich, wovon man im Maschinenbau nur träumen kann: IoT, Robotik, Sensorik, industrielle Bildverarbeitung, eine Vielzahl synchronisierter Antriebe, hohe Taktraten bei gleichzeitig höchster Präzision, hohe Anforderungen an Hygiene, steriles Umfeld und vieles mehr.

Herausfordernde Großwetterlage

Über die vergangenen Jahre haben sich gleich mehrere Bereiche herauskristallisiert, in denen die Branche teils massiv herausgefordert ist:

  • Sich stark verändernde Anforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit an Unternehmen, Maschine und Verarbeitungsprozesse durch andere Materialien und damit einhergehende Unsicherheiten und Aufwände im Bereich der Regulatorik.
  • Die Nutzung der Potenziale der Digitalisierung im Maschinenbau allgemein und von Künstlicher Intelligenz im Speziellen.
  • Sich verändernde Makt- und Wettbewerbssituationen mit immer stärker werdenden Marktplayern aus Asien und unberechenbaren weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
  • Standortfaktor Deutschland mit hohen Energiepreisen, hohen Lohn- und Lohnnebenkosten sowie einer gewachsenen Bürokratie.
  • Mangel an Fach- und Nachwuchskräften im technischen, ingenieurwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Bereich.

Um unsere Mitgliedsunternehmen in dieser Situation multipler Herausforderungen mit Informationen, Einschätzungen und Empfehlungen unterstützen zu können, haben wir gemeinsam mit der Ensign Advisory eine Studie aufgelegt, an der sich 27 Mitglieder mit einem Interview beteiligt haben. Die gute Botschaft ist: Es gibt für all genannten Herausforderungen realistische und gangbare Lösungswege und strategische Handlungsoptionen.

Priorisierung und Gewichtung der Themen

Aus der Studie hat sich sehr klar ergeben, dass das Thema Digitalisierung & KI die höchste Priorität hat, mit 43 von insgesamt 100 zu vergebenden Punkten. Die Themen Internationaler Wettbewerb und Nachhaltigkeit liegen mit 29 und 28 Punkten sehr nahe beieinander. Daraus ergibt sich, dass die zentrale Herausforderung weniger in der relevanten Identifikation relevanter Themen liegt, als vielmehr in deren klarer Priorisierung für die jeweilige Unternehmenssituation.

Steigende regulatorische Anforderungen rücken das Thema Nachhaltigkeit – insbesondere in Europa – wieder stärker in den Fokus des Managements. Investitionen in Nachhaltigkeit erfolgen bislang überwiegend dann, wenn sie einen direkten wirtschaftlichen Nutzen bieten. Gleichzeitig wird erwartet, dass höhere Nachhaltigkeitsanforderungen Produkte und Geschäftsmodelle künftig deutlich stärker beeinflussen. Sowohl regulatorische Vorgaben als auch die Anforderungen der Endmärkte erhöhen die Bedeutung von Nachhaltigkeit für den Marktzugang.

Zudem entwickelt sich Materialkompetenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Technologien, Daten und Geschäftsmodelle müssen zunehmend an regionale Gegebenheiten angepasst werden. Für die Unternehmen im Packaging Valley ergeben sich daraus Handlungsfelder in den Bereichen Compliance und Regulatorikfähigkeit, Materialflexibilität und Produktanpassungsfähigkeit, neue Geschäftsmöglichkeiten und Chancen, Mehrweg- und Reuse-Fähigkeit sowie Standards, Pilotierung und Cluster-Kooperationen.

Hoher Handlungsdruck – begrenzte Wirksamkeit

Im Themenfeld Digitalisierung, Automatisierung und KI steigt der strategische Handlungsdruck insbesondere für größere Unternehmen deutlich, während sich kleinere Unternehmen häufiger in der Rolle des Followers sehen. Künstliche Intelligenz ist sowohl in internen Prozessen als auch im Produktportfolio bislang nur teilweise etabliert.

Abhängig vom jeweiligen Reifegrad liegt die nächste Herausforderung entweder im Aufbau der notwendigen Grundlagen oder in der Skalierung bereits erfolgreicher Anwendungsfälle. Digitale Fähigkeiten helfen dabei, operative Engpässe zu überwinden und Effizienz, Qualität sowie Flexibilität zu steigern. Die zukünftige Differenzierung entsteht zunehmend durch das Zusammenspiel von Maschinen, Software, Daten und KI.

Daten entwickeln sich dabei zur strategischen Grundlage für neue Services, Geschäftsmodelle und nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Unternehmen müssen ihre Innovationszyklen, Systemarchitekturen und den Kompetenzaufbau künftig stärker aufeinander abstimmen. Zentrale Handlungsfelder sind die Daten- und Integrationsfähigkeit, softwarefähige Maschinen und digitale Features, Modularität und Automatisierung sowie die Priorisierung wirtschaftlich sinnvoller KI-Anwendungen.

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Neue Wettbewerbsdynamik

Die internationalen Wettbewerbsdynamiken unterscheiden sich zunehmend nach Regionen. Während China und die USA den Wettbewerbsdruck erhöhen, bieten Indien, Afrika und Lateinamerika attraktive Potenziale.

Erfolgsentscheidend sind eine klare Differenzierung, gezielte Lokalisierung sowie regionale Marktstrategien. Unterschiedliche Marktlogiken erfordern angepasste Vertriebs-, Service- und Partneransätze. Lokale Präsenz entwickelt sich dabei immer stärker zu einem Erfolgsfaktor für Marktzugang, Kundennähe und erfolgreiche Umsetzung. Standardisierte Exportmodelle stoßen zunehmend an ihre Grenzen, während gezielte Regionalisierung an Bedeutung gewinnt.

Daraus ergeben sich Handlungsfelder in den Bereichen Premium-Differenzierung und Innovationsführerschaft, wettbewerbsfähige Portfolio- und Preisarchitekturen, Lokalisierung, Service und internationaler Footprint sowie die Erschließung von Wachstumsmärkten und Ökosystemen.

Zusammenfassung und Ausblick

Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit wird durch das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Internationalisierung bestimmt. Nachhaltigkeit bildet die Grundlage für eine effektive Datennutzung, digitale Dienstleistungen benötigen standardisierte Strukturen, und im internationalen Wettbewerb sind Kostenbewusstsein, Servicekompetenz sowie die Anpassung an regionale Anforderungen entscheidend.

Ausschlaggebend ist dabei weniger die Anzahl der Maßnahmen als deren richtige zeitliche und inhaltliche Abstimmung. Erfolgreiche Transformation erfordert einen integrierten Ansatz auf Basis von Transparenz, Datenverfügbarkeit, modularen Konzepten und klaren Verantwortlichkeiten. So lassen sich digitale Geschäftsmodelle, nachhaltige Kundenangebote und internationale Wachstumsstrategien effizient skalieren.

Wer konsequent priorisiert und fokussiert handelt, kann Herausforderungen in Wettbewerbsvorteile, höhere Effizienz und zusätzliche Wertschöpfung verwandeln. Bei konsequenter Umsetzung der Maßnahmen hat der deutsche Verpackungsmaschinenbau sehr gute Chancen, seine starke Marktposition weiter auszubauen.

Der Autor

Martin Buchwitz ist Geschäftsführer von Packaging Valley Germany in Waiblingen. Das Netzwerk vereint Hersteller von Verpackungs­anlagen und -maschinen, Anbieter von Software und Automatisierungs­­lösungen, Komponenten­hersteller, Dienstleister der Verpackungsindustrie sowie öffentliche Institutionen.

Martin Buchwitz Fotocredit: Marcel Gollin