Koenig & Bauer
Unterwegs zu mehr «Impact»
Der Druckmaschinen-Konzern Koenig & Bauer meldet ein ausgezeichnetes erstes Halbjahr. Peter J. Rickenmann, CEO der Schweizer Tochter, über die Zahlen, über die Konzernstrategie «Impact», über KI und die Auswirkungen der PPWR auf seine Maschinen. Im gedruckten Heft erschien eine gekürzte Fassung, dies sind die vollständigen Antworten von Koenig & Bauer.

Peter J. Rickenmann, CEO, Delegierter des Verwaltungsrates Koenig & Bauer (CH) AG
Herr Rickenmann, die Konzernzahlen sind sehr positiv. Wie sieht es in der Schweiz aus?
Die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr war in der Tat für den Konzern sehr erfreulich. Dies ist ein deutlicher Vertrauensbeweis der Kunden weltweit. Der Konzernumsatz stieg leicht um 1,4 % auf 558 Mio. Euro. Beim Auftragseingang verzeichnete Koenig & Bauer mit einem signifikanten Anstieg von knapp 17% auf 709 Mio. Euro den höchsten Auftragseingang im ersten Halbjahr, seit acht Jahren. Diese globale Stabilität und ein Auftragsbestand auf einem neuen historischen Höchststand von insgesamt über 1,1 Mrd. Euro geben einen starken Rückhalt, um weltweit und auch in der Schweiz den Kunden höchste Investitionssicherheit für zukunftsweisende Technologien bieten zu können. Erfreulicherweise spiegelt sich der positive Auftragseingang im ersten Halbjahr auch in der Schweiz wider.
Länderorganisationen sind oft vor allem Vertriebsstandorte. Welche Rolle sehen Sie für Koenig & Bauer (CH) im Schweizer Markt?
Wir sind weit mehr als nur eine reine Vertriebsorganisation. Als Schweizer Tochtergesellschaft verbinden wir seit über 35 Jahren die enorme Innovationskraft aus über zwei Jahrhunderten und das breite High-Tech-Portfolio des Weltkonzerns Koenig & Bauer mit einer tief verankerten, lokalen Service-Kultur direkt im Schweizer Markt. Wir haben ein eigenes, kompetentes Vertriebs- und Serviceteam vor Ort und agieren für unsere Kunden als strategischer Partner und Trusted Advisor. Unsere Leidenschaft, Engagement und Aufgabe ist es, Druck- und Medienhäuser nicht nur mit Hardware zu beliefern, sondern mit massgeschneiderten, lösungsorientierten Konzepten und Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus der Maschinen hinweg zu begleiten.
Der Konzern verfolgt die strategische Ausrichtung «Impact» zur Effizienzsteigerung durch KI/datenbasierte Lösungen, One-Stop-Shopping, schnelle Umsetzung, flexible Aufstellung, Wettbewerbsfähigkeit und Technologieführerschaft. Welche Auswirkungen hat das auf das Schweizer Geschäft?
Mit unserer neuen Strategie vollziehen wir den konsequenten Schritt vom klassischen Maschinenbauer zum ganzheitlichen Lösungs- und Technologieanbieter. Dabei stellt Koenig & Bauer den Kunden in den Mittelpunkt und verbindet deutsche Ingenieurskunst mit digitaler Intelligenz, um in einer sich wandelnden Welt den Kundenerfolg nachhaltig zu sichern. Impact bietet auch für den Schweizer Markt und unsere Kundschaft einen nachhaltigen Mehrwert.

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IMPACT basiert auf sechs zentralen Säulen, die direkt auf den Erfolg der Kunden einzahlen:
1. Intelligence
Durch die tiefe Integration künstlicher Intelligenz (KI) und datenbasierter Lösungen in die Produkte und Prozesse unterstreicht Koenig & Bauer einmal mehr seinen Pioniergeist. Kunden profitieren von intelligenten Maschinen, die durch KI-gestützte Analysen Ausfallzeiten minimieren (Predictive Maintenance), die Qualitätskontrolle automatisieren und Produktionsprozesse optimieren. Direkter Outcome: Effizienzsteigerung und Datensicherheit.
2. Go-to-Market
Das Unternehmen bietet das breiteste Produktportfolio der Industrie und richtet dieses konsequent an wachsenden Märkten aus – insbesondere im Verpackungsdruck (Wellpappe, Flexo, Faltschachtel) sowie in der Weiterverarbeitung (Stanzen, Faltschachtelklebemaschinen) und im Digitaldruck. Ob High-End-Speziallösung oder skalierbare Standardmaschine – Kunden erhalten alles aus einer Hand. Das Portfolio deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab und ermöglicht Lösungen, die exakt zum Geschäftsmodell und den Wachstumszielen der Kunden passen.
3. People
Koenig & Bauer setzt auf exzellent ausgebildete Ingenieure und Techniker, fokussiert sich aber zugleich auf ‘Pace’ als entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Geschwindigkeit in der Umsetzung wird zum zentralen Differenzierungsmerkmal. Kunden haben Zugriff auf Expertenwissen und erleben schnellere Reaktionszeiten. Innovationen werden zügiger zur Marktreife gebracht, was Kunden hilft, technologisch stets einen Schritt voraus zu sein.
4. Adaptability
In einem volatilen Marktumfeld setzt Koenig & Bauer auf Resilienz und eine flexible, globale Aufstellung. Durch die Stärkung lokaler Organisationen (Local-for-Local) rückt das Unternehmen näher an die Märkte heran. Dies garantiert maximale Versorgungssicherheit und kurze Wege durch lokale Service-Teams. Kunden profitieren von einem stabilen Partner, der auch in unsicheren Zeiten lieferfähig bleibt.
5. Competitiveness
Das Unternehmen sichert seine Technologieführerschaft im High-End-Segment, adressiert aber zugleich offensiv den Mid-Tech-Markt. Neben High-Performance-Maschinen bietet Koenig & Bauer zunehmend Lösungen im mittleren Segment an, die hohe Qualität zu attraktiven Investitionskosten ermöglichen.
6. Technology
Koenig & Bauer bleibt Technologieführer mit einem starken Fokus auf Digitalisierung, Software-Ökosysteme und modulare Plattformen. Hardware und Software werden als Einheit betrachtet – die Maschine ist der Körper, die Software die Seele. Kunden erhalten so Investitionssicherheit durch zukunftsfähige Technologien. Modulare Systeme und offene Schnittstellen ermöglichen es ihnen, ihre Produktion flexibel zu erweitern und nahtlos in digitale Workflows zu integrieren.
Neues Imagevideo zur Koenig & Bauer IMPACT Strategie:

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À propos KI: Läuft das Konzernprojekt «Agentic AI @ Koenig & Bauer» auch in der Schweiz?
Ja, absolut. Das Projekt läuft konzernweit und ist Teil unserer Initiative «AI Empower», mit der wir künstliche Intelligenz tief in unsere Wertschöpfung integrieren. Mit weltweit knapp 500 geschulten «AI Champions» und dem signifikaten Ausbau der Nutzungsrate in der Belegschaft treiben wir diese Transformation voran. Für unsere Schweizer Kunden bedeutet das ganz konkret: Wir nutzen KI nicht als Spielerei, sondern um insgesamt die Effizienz zu steigern und Serviceprozesse zu beschleunigen, Ersatzteilbedarf vorausschauend zu erkennen sowie Ausfallzeiten an den Maschinen auf ein Minimum zu reduzieren etc.

Alexander Förster, Key Account Manager | Vertrieb Investitionsgüter Koenig & Bauer (CH) AG
Sie haben das Key-Account-Management in der Schweiz mit Alexander Förster verstärkt. Warum?
Die Anforderungen im Markt nehmen an Komplexität zu: Time-to-Market-Zyklen werden immer kürzer, und im Akzidenz- und Verpackungsdruck stehen vielschichtige Prozess- und Kostenoptimierungen an. In diesem anspruchsvollen Umfeld reicht technologische Exzellenz in der Beratung allein nicht mehr aus. Wir haben Alexander Förster ins Team geholt, weil er genau die Sprache unserer Kunden spricht. Als gelernter Drucker, ehemaliger Produktionsleiter und Mitinhaber einer Druckerei sowie CTO bringt er ein enormes Know-how von Maschinen, der Verfahrenstechnik, Material, Prozessmanagement bis zur Betriebswirtschaft mit. Nach dem Prinzip „aus der Praxis für die Praxis“ brauchen unsere Kunden Experten wie ihn als Trusted Advisor, um ihre strategischen Investitionen bestmöglich tätigen und absichern zu können.
Abseits der PPWR: Wonach fragen Ihre Kunden derzeit?
● Agilität und smarte Verpackungen: Brand Owner fordern kleinere Auflagen bei schnellerer Lieferfähigkeit. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach digitalen Schnittstellen: Lösungen wie unser System «AuraVeo» verwandeln die physische Verpackung in ein digitales Markenerlebnis und bieten integrierten Markenschutz.
● Wirtschaftliche Druckproduktion: Ökologie muss sich gerade an einem kostenintensiven Produktionsstandort wie der Schweiz rechnen. Wir optimieren die Total Cost of Ownership (TCO) durch verkürzte Rüstzeiten, optimierte Energieeffizienz und Makulaturreduktion.
● Fachkräftemangel: Gefragt sind Automatisierungslösungen, die fehlendes Personal kompensieren. Der Bediener entwickelt sich dank intelligenter Systeme vom klassischen Drucker zum Manager des gesamten Workflow-Prozesses.
Und jetzt doch zur PPWR: Was wird aus den Maschinen von Koenig & Bauer (CH), wenn sie Stück für Stück wirksam wird?
Die PPWR betrifft in erster Linie die produzierende Verpackungsindustrie – und damit unsere Kunden. Das Ziel einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ist richtig und wichtig, doch die Praxis bringt neben rein technischen Themen enorme bürokratische Hürden bei Dokumentation, Nachweisen und Compliance mit sich. Die PPWR verschiebt den Fokus vom reinen Drucken einer Verpackung hin zur ganzheitlichen Betrachtung von Material, Druckfarbe, Lack, Klebstoff, Recyclingfähigkeit, Nachweisführung und Wirtschaftlichkeit.
Hierbei werden die 3 Hauptherausforderungen sein:
1. Technische Umstellung der Verpackung Die grösste Herausforderung liegt nicht im Druckprozess selbst, sondern in der Entwicklung neuer Verpackungskonzepte: andere Substrate, weniger Material, neue Barrieren, Klebstoffe, Farben und Lacke. Diese Änderungen können Druckqualität, Weiterverarbeitung und Maschineneinstellungen beeinflussen. Die PPWR nennt Druckfarben und Lacke ausdrücklich als Faktoren für die Recyclingfähigkeit.
2. Fehlende bzw. komplexe Daten entlang der Lieferkette Der Verpackungsdrucker ist auf Informationen von Papier-/Karton-/Folienherstellern, Farben-, Lack- und Klebstofflieferanten angewiesen. Die Herausforderung besteht darin, belastbare Daten zur Materialzusammensetzung und Recyclingfähigkeit zusammenzuführen und für den Kunden nachweisbar zu dokumentieren. Dies wird mit einem zusätzlichen enormen Aufwand verbunden sein.
3. Kosten, Investitionen und Produktionsrisiken Die Umstellung kann zu höheren Materialkosten, neuen Verbrauchsmaterialien, zusätzlichen Tests und Investitionen in Prozesse und Maschinen führen. Gleichzeitig erwarten die Endkunden weiterhin hohe Druckqualität und wettbewerbsfähige Preise. Besonders anspruchsvoll ist daher die Balance zwischen PPWR-Konformität, Qualität und Wirtschaftlichkeit.
Ein besonders wichtiger Punkt für uns als Druckmaschinenhersteller ist dabei: Die PPWR schreibt nicht einfach eine bestimmte Drucktechnologie vor. Sie schafft vielmehr Anforderungen, die indirekt erheblichen Einfluss auf Druckfarben, Substrate, Beschichtungen, Trocknung, Qualitätssicherung und damit auf die Anforderungen an die Druckmaschine haben.
Wir stellen uns dieser Verantwortung seit Jahren proaktiv: Unsere Bogenoffset- und CI-Flexodruckanlagen sowie unsere Digitaldrucksysteme sind technisch darauf ausgelegt, die Rüstzeiten mit Anlaufmakulatur im Vergleich zu Vorgängergenerationen zu reduzieren und zertifizierte Papier- sowie Rezyklat-Substrate präzise zu verarbeiten. Zudem setzen wir im CI-Flexo- und Digitaldruck bereits auf wasserbasierte Farbsysteme, die den Einsatz organischer Lösemittel vermeiden und dadurch die VOC-Emissionen im Druckprozess signifikant reduzieren. Wir unterstützen unsere Schweizer Kunden mit ressourceneffizienter Anlagentechnik dabei, aktuelle Umweltstandards verlässlich einzuhalten und Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Interview von Stefan Becker