Gastbeitrag
Kälte vor der Hütte
Das Technotrans-Kühlsystem bei Rymoplast: Der Container (in Blau) enthält die gesamte Technik inklusive Pumpen, Tanks, Kältemaschinen und Schaltschränken. Auf seinem Dach steht die Freikühler-Einheit inklusive der adiabatischen Kühlung. Bild: Technotrans
Recycling-Spezialist Rymoplast braucht für den Standort in Sachsen ordentlich Kälte. Weil in den Hallen zuviel Staub entsteht, wurde die Kühlanlage im Außenbereich gebaut. Sandra Kraft vom Technik-Anbieter Technotrans erklärt Gründe und Funktionsweise.
Die Morssinkhof-Rymoplast-Gruppe hat sich auf Kunststoffrecycling und nachhaltige Kreislaufwirtschaft spezialisiert. Das niederländische Familienunternehmen mit mehr als 50 Jahren Erfahrung und rund 800 Mitarbeitenden recycelt jährlich knapp 500.000 Tonnen Kunststoff. Seit 2022 betreibt Rymoplast Deutschland in Markranstädt bei Leipzig einen Standort für das Post-Consumer Recycling (PCR) – mit einer Investition von rund 30 Millionen Euro.
Das Ziel in Markranstädt: Aus gebrauchten Gewerbe- und Industriefolien soll ein LDPE-Regranulat (Low Density Polyethylene) entstehen, das in seiner Qualität Neuware in nichts nachsteht.
Der Prozess ist komplex. Die angelieferten Folienballen werden geschreddert, gewaschen, getrocknet und schließlich extrudiert. Druckluft, Wasser und eine zuverlässige Kälteversorgung sind die drei Säulen, auf denen die Prozessstabilität beruht. Fällt eine davon aus, steht die Produktion. Insbesondere im Extrusionsprozess, der den Kunststoff aufschmilzt und granuliert, ist eine exakte Temperierung entscheidend. Stimmt die Kühlung nicht, verklebt das Granulat, und die Qualität sinkt drastisch.
Dass das Unternehmen quasi auf der grünen Wiese plante, gab ihm die Freiheit, die Anlage von Grund auf optimal zu dimensionieren. Rymoplast benötigte für die Kühlung der EREMA-Extruder und der Peripherie eine Kälteleistung von 1,5 Megawatt. Gleichzeitig sollte der Platz in der neuen Produktionshalle nicht durch Versorgungstechnik blockiert werden. Weil in einem Recyclingwerk durch das Schreddern und Bewegen der Materialien zwangsläufig Staub entsteht, sollte vermieden werden, dass die Kältetechnik in der Halle steht und mit der Zeit verschmutzt.
Technotrans entwarf daher eine kundenspezifische Container-Kühlanlage. Die gesamte Technik – inklusive Pumpen, Tanks, Kältemaschinen und Schaltschränken – ist in eine wetterfeste Container-Kombination verkapselt und im Außenbereich platziert. Und im spezifischen Blau von Rymoplast lackiert. Selbst nach mehr als zwei Jahren Betrieb sieht das Innere des Containers aus wie am ersten Tag.
Die Anlage versorgt die Produktion mit einer konstanten Vorlauftemperatur von 15 Grad Celsius. Ein Rohrleitungssystem führt das Kühlwasser zu den Verbrauchern – den Extrudern und der Granulatkühlung. Dabei legte Rymoplast großen Wert auf Redundanz: Doppelpumpengruppen mit Frequenzumrichtern sichern nicht nur den Betrieb bei einem Pumpenausfall ab, sondern passen die Förderleistung der Motoren permanent an den tatsächlichen Bedarf an. Dank dieser exakten Drehzahlregelung arbeiten die Pumpen stets im energetischen Optimum. So lässt sich die Stromaufnahme im Teillastbetrieb gegenüber starren Systemen deutlich reduzieren.
Anzeige
Die Anlage markiert einen Schritt weg von offenen Kühlturmsystemen, die in der Branche immer noch weit verbreitet sind. Offene Systeme sind anfällig für Schmutzeintrag und bergen das Risiko von Legionellenbildung, was strenge behördliche Auflagen und einen hohen chemischen Behandlungsaufwand nach sich zieht.
Da ein geschlossener Kreislauf wie der bei Rymoplast jedoch physikalisch anders gekühlt werden muss als ein Verdunstungskühlturm, war die Energieeffizienz das zentrale Thema der Auslegung. Die Anlage kombiniert daher Kältemaschinen mit einer Freikühler-Einheit, die direkt auf dem Dach des Containers installiert ist. Um die Effizienz auch bei höheren Außentemperaturen zu maximieren, ist das System zusätzlich mit einer so genannten adiabatischen Kühlung ausgestattet. Dabei senkt ein Sprühwasserverteilsystem die Temperatur der Ansaugluft durch Verdunstungskälte. Dadurch steigt der Wirkungsgrad der Gesamt-Kühlanlage signifikant.
Dazu kommt die Winterentlastung. Sobald die Außentemperatur niedriger ist als die geforderte Rücklauftemperatur des Prozesswassers, wird die Kälte nicht mehr aktiv über die Kompressoren erzeugt, sondern passiv über die Außenluft im Freikühler. In Deutschland können Kältemaschinen über viele Monate im Jahr komplett abgeschaltet oder zumindest stark entlastet werden.
Im Vergleich zu einer herkömmlichen Kompressionskälteanlage ohne Freikühlung spart das Technotrans-System in Markranstädt jährlich rund 650 Megawattstunden Strom ein. Das entspricht einer Reduktion der CO2-Emissionen um etwa 480.000 Kilogramm pro Jahr – eine Einsparung von fast 40 Prozent. Aufgrund dieser hohen Effizienzwerte erhielt Rymoplast eine Förderung der Investition durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Unter anderem wurden die Rohrleitungen speziell isoliert, um thermische Verluste zu minimieren und die Förderkriterien zu erfüllen.
Die Anlage ist in digitales Monitoring eingebunden: Über eine Fernwartungsschnittstelle können die Techniker von Technotrans bei Bedarf direkt auf die Steuerung zugreifen, Parameter analysieren und Störungen oft beheben, ohne physisch am Ort sein zu müssen. Gleichzeitig haben die Instandhalter von Rymoplast über ein großes HMI-Touchpanel und gespiegelte Desktops an ihren Arbeitsplätzen jederzeit vollständigen Einblick in Drücke, Temperaturen und Durchflussmengen.
Technotrans konzipierte die Anlage so, dass sie modular wachsen konnte. Während sie zum Start im Jahr 2022 zunächst zwei Extrusionslinien versorgte, erfolgte im Mai 2025 die geplante Erweiterung auf die dritte Linie. ●


