An den eigenen Produkten rumnörgeln: der Verpackungs-«M-Check» auf einer Packung Schümli von der Migros mit drei von fünf möglichen Sternen. Bild: Stefan Becker
«M-Check»
Warum die Migros ihre Verpackungen nicht mehr bewertet
Der Handelsriese lässt den Check der Verpackungen auslaufen
Über ihren «M-Check» hat die Migros auf ihrer Website eine wunderbar selbstironische Überschrift gesetzt: «An den eigenen Produkten rumnörgeln». Gleichzeitig bringt der Halbsatz das Konzept auf den Punkt: Der Handelskonzern bewertet seine Eigenmarken, und zwar für alle sichtbar, und längst nicht alles bekommt die Bestnote.
Die Skala von 1 bis 5 Sternen orientiert sich an Hotelbewertungen, die Noten entstehen in Zusammenarbeit mit externen Experten und Instituten nach öffentlich einsehbaren Regeln, und die Sternezahl wird auf die Verpackung gedruckt. Derzeit gibt es «M-Checks» für Klimaverträglichkeit, Tierwohl, Fisch aus verantwortungsvollen Quellen, Kreislauffähigkeit und umweltfreundliche Verpackung. «So erhältst du den Überblick, wie das Produkt in diesem Bereich im Vergleich zum Gesamtsortiment abschneidet. Je mehr Sterne, desto nachhaltiger», so die Migros-Website.
Der «M-Check» für Verpackung, eingeführt im Juni 2022, wird allerdings nicht fortgeführt, die Abwicklung läuft. Grund dafür ist ein Strategiewechsel: Die Migros «misst ihre Ziele im Verpackungsbereich neu anhand der verursachten CO₂-Emissionen. Deshalb steht künftig die Gesamtklimabilanz eines Produkts im Vordergrund», schreibt das Unternehmen auf Anfrage.
In Zukunft würden «sämtliche Emissionen entlang des Lebenszyklus eines Produkts» berücksichtigt, einschliesslich der Verpackung. «Aus unserer Sicht liefert dieser ganzheitliche Ansatz den Kundinnen und Kunden eine aussagekräftigere Orientierung als eine isolierte Bewertung der Verpackung.» Man konzentriere sich stärker «auf die Themen und Instrumente, bei denen wir die grösste ökologische Wirkung erzielen können».
Vorschriften wie die Verpackungsverordnung, Kritik aus der Verpackungsbranche oder mangelnde Resonanz beim Publikum hätten bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, versichert der Händler. «Mit der Einführung des ,M-Checks’ Verpackung hat die Migros wichtige Erfahrungen gesammelt, wie Nachhaltigkeitsinformationen auf Produkten verständlich und möglichst relevant vermittelt werden können.» Aber: «Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass Kundinnen und Kunden vor allem an klaren und ganzheitlichen Nachhaltigkeitsinformationen interessiert sind.»
Auch die Tage des Checks «Kreislauffähigkeit» mit den Dimensionen «Umweltverträgliche Inhaltsstoffe» und «Rezyklierbare Inhaltsstoffe» sind gezählt. Das bezieht sich allerdings auf die Produkte selbst und nicht auf die Verpackung und wurde überdies nur viermal vergeben. Insgesamt gebe es «M-Checks» auf mehr als 5.000 Produkten, heisst es auf der Website.
Es bleiben also drei Checks: der zu Tierwohl, der zu Fisch – und der zur Klimaverträglichkeit, wo sich dann doch auch weiterhin ein Verpackungsmoment versteckt. Es macht sich allerdings erklärtermassen nicht bemerkbar: «Die Verpackung spielt bei Klimabilanzen eine untergeordnete Rolle. […] Daher ändert die Verpackung an der Klimabilanz des Produktes sehr wenig und deshalb verändert sich die Sternebewertung auch nicht.»
Das werden die Kriterien gewesen sein

Screenshot des Logos für den «M-Check» zu «Umweltfreundlichen Verpackungen», hier beispielhaft mit fünf Sternen, der Höchstbewertung. Bild: Migros
Der «M-Check» für Verpackungen berücksichtigt (noch) vier Kriterien:
- Verpackungsgewicht (mit 62,5 Prozent gewichtet, also fünf Achteln), bemessen im Verhältnis zum verpackten Produkt;
- Verpackungsmaterial (ein Achtel), bemessen am Umweltfussabdruck;
- Anteil Recyclingmaterial (ein Achtel);
- Recycling nach Gebrauch (ein Achtel), bemessen daran, welcher Prozentanteil der jeweiligen Produktverpackung nach Gebrauch recycelt wird.
Der Autor: Stefan Becker