Recyclingströme
Warum „Milram“ den Einzelnachweis lobt
„Müritzer“-Käse der Marke „Milram“: Durch den Einzelnachweis kann die APET-Verpackung bleiben.
Fotocredit: Imago/Bihlmayerfotografie
Die Marke „Milram“ stand vor der Frage, wie die Zukunft ihrer Schalen aus APET aussehen soll. Sie entschied sich für einen Einzelnachweis und sagt nach drei Jahren: „Er ist ein Gewinn.“ Gabriele Siegmann vom Deutschen Milchkontor erklärt, warum.
Ausgangspunkt war der wachsende Absatz unseres „Milram“-SB-Scheibenkäses im Lebensmitteleinzelhandel. Mit steigenden Mengen wächst auch die Verantwortung für die eingesetzten Verpackungen, und für Schalen aus amorphem PET (APET) gibt es in Deutschland keine entsprechende Recyclinginfrastruktur. APET-Schalen gelten deshalb laut Mindeststandard als nicht in großen Mengen recyclingfähig. Gleichzeitig sind wir von unserem Schalenmaterial überzeugt: APET bietet für unser Produkt und unsere Abfüllprozesse wichtige funktionale Vorteile.
Ein Wechsel auf Polypropylen ist technisch möglich, bringt jedoch neue Nachteile mit sich – beispielsweise hinsichtlich der Verarbeitungsgeschwindigkeit auf den bestehenden Verpackungslinien oder der Verfügbarkeit geeigneter Rezyklate.
Die einfache Lösung wäre gewesen, das bestehende Material weiterzuverwenden, sich auf die reguläre Systembeteiligung zu beschränken und abzuwarten. Wir wollten jedoch mehr: die Verpackung nicht nur funktional optimieren, sondern gleichzeitig dafür sorgen, dass ihr Recycling gezielt unterstützt wird. Der Einzelnachweis eröffnete uns dafür einen neuen Weg.
Mit dem Einzelnachweis wird die von uns in Verkehr gebrachte Menge an APET-Schalen einer konkreten werkstofflichen Verwertung gegenübergestellt. Damit wird aus einem allgemeinen Entsorgungsbeitrag ein gezielter Nachweis über tatsächlich verwertete Mengen.
Das war für uns ein entscheidender Perspektivwechsel. Denn Recyclingströme entstehen nicht allein dadurch, dass eine Verpackung theoretisch recyclingfähig ist. Sie müssen gesammelt, sortiert, aufbereitet und wirtschaftlich verwertet werden. Gerade bei Verpackungsformaten, deren Recyclingstrukturen noch nicht flächendeckend etabliert sind, braucht es Unternehmen, die Nachfrage schaffen und Verwertungswege wirtschaftlich attraktiver machen.
Der Einzelnachweis unterstützt genau diesen Prozess. Er schafft einen finanziellen und organisatorischen Anreiz, geeignete Mengenströme aufzubauen und werkstofflich zu verwerten.
Der Weg dorthin war nicht selbstverständlich. Vor Einführung des Einzelnachweises konnte unser Einkauf bei allen in Deutschland ansässigen Anbietern des Dualen Systems unsere Verpackungsentsorgung ausschreiben. Neben der Leistung spielte dabei naturgemäß der Preis eine wesentliche Rolle.
Mit der Entscheidung für einen belastbaren PET-Einzelnachweis reduzierte sich der Kreis geeigneter Anbieter deutlich. Nur wenige Unternehmen waren bereit und in der Lage, die notwendigen Mengenströme nachvollziehbar abzubilden und zu dokumentieren.
Das bedeutete einen höheren Ausschreibungs- und Abstimmungsaufwand und weniger Auswahl- und damit Verhandlungsmöglichkeiten für den Einkauf. Das „Milram“-Engagement wurde damit von einem strategischen Ziel zu einer konkreten Einkaufsanforderung und Kostenpunkt.
Entscheidend war, die relevanten internen Fachbereiche und Entscheidungsträger von dem Mehrwert zu überzeugen. Das ist gelungen. Mittlerweile setzen wir den PET-Einzelnachweis im dritten Jahr ein. Gerade darin liegt ein wichtiger Erfolg: Der Einzelnachweis ist bei uns kein zeitlich begrenztes Pilotprojekt mehr, sondern Bestandteil des regulären Einkaufs- und Verpackungsmanagements.
Die Mengen des Jahres 2025 zeigen, welche Größenordnung durch den Einzelnachweis erreicht werden kann. Nach Angaben unseres Systempartners umfasste der relevante Mengenstrom insgesamt 3.030 Tonnen. Daraus ergab sich ein spezifikationsgemäßes Schalenäquivalent von 2.273 Tonnen, das einer werkstofflichen Verwertung zugeführt wurde. Für ein Schalenäquivalent von 1.057 Tonnen konnte die Zuführung zu einem hochwertigen Verwertungsverfahren dokumentiert werden.
Im gleichen Zeitraum haben wir knapp 900 Tonnen Schalenmaterial über den Lebensmitteleinzelhandel in Verkehr gebracht. Die nachgewiesene Verwertungsmenge lag damit über unserer eigenen Verpackungsmenge. Für uns ist das ein wichtiges Ergebnis: Unser Anspruch wurde nicht nur rechnerisch erfüllt, sondern übertroffen.
Der Einzelnachweis ist für uns weit mehr als eine Mengenberechnung. Wir konnten eine bewährte Verpackungslösung beibehalten, ohne uns mit dem Status quo zufriedenzugeben. Gleichzeitig haben wir interne Prozesse verändert, höhere Anforderungen an unsere Dienstleister gestellt und einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung werkstofflicher Verwertungswege geleistet.
Auch wenn dieses Engagement auf der Verpackung derzeit nur schwer zu kommunizieren ist, bleibt sein Wert bestehen. Verantwortlich zu handeln bedeutet nicht, jede Maßnahme unmittelbar werblich auszuloben. Gerade vor dem Hintergrund steigender rechtlicher Anforderungen an Umweltaussagen ist es wichtig, zunächst eine belastbare Datengrundlage zu schaffen.
Der Einzelnachweis liefert uns genau diese Grundlage. Er gibt uns die Sicherheit, nicht nur über Recycling zu sprechen, sondern eine konkrete und überprüfbare Wirkung belegen zu können. Damit stärkt er langfristig die Glaubwürdigkeit unserer Marke – gegenüber Handelspartnern, Mitarbeitenden, Behörden und letztlich auch gegenüber den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Unser Fazit nach drei Jahren ist daher eindeutig: Der Einzelnachweis verursacht zusätzlichen Aufwand und Kosten. Aber er verwandelt Verantwortung in messbare Wirkung. Und genau deshalb ist er für unsere Marke „Milram“ und unser Unternehmen ein Gewinn.
Infobox
Was sind Einzelnachweise?
„Einzelnachweise bestätigen, ob für eine Verpackung tatsächlich eine Recycling-Infrastruktur besteht und ob die Sortieranlagen die jeweilige Verpackung erkennen. Zudem dokumentieren sie, inwiefern eine Recyclingunverträglichkeit vorliegt. Damit sorgen sie dafür, dass nur die Verpackungen als recyclingfähig eingeordnet werden, die in der gegebenen Infrastruktur auch recycelt werden.“ (Definition der ZSVR)
Die Autorin
Gabriele Siegmann ist Marketing Manager Strategie beim Deutschen Milchkontor in Bremen. Außer der Markenstrategie verantwortet sie nachhaltige Themen rund um die Marke – im Schwerpunkt „nachhaltige Verpackungen“. Sie arbeitet seit 22 Jahren in unterschiedlichsten Positionen und Abteilungen im Unternehmen.

Gabriele Siegmann Fotocredit: Marcel Gollin