Obstschälchen aus «Materra». Bild: Peelpack

Peelpack

Schalen aus Schalen

Es gibt sehr viele Kartoffelschalen auf der Welt. Dass sich aus ihnen Lebensmittelverpackungen herstellen lassen, beweist Peelpack aus Zürich – mit tonnenweise verkauften Produkten. Co-Gründer und CEO Slava Drigloff erklärt das Konzept.

Bei Peelpack entwickeln wir «Materra», eine neue Generation biobasierter und kompostierbarer Materialien für starre Verpackungsanwendungen. Ein wichtiger Ausgangsstoff sind Nebenströme aus der Kartoffelverarbeitung, darunter auch Kartoffelschalen. Diese Nebenströme fallen kontinuierlich und in industriellen Mengen an. Für «Materra» müssen daher keine Nutzpflanzen speziell für Verpackungszwecke angebaut werden.

Aus diesen Rohstoffen entwickeln wir funktionale Materialformulierungen für Obst- und Beerenschalen, Trays, Becher, Schalen und weitere thermoformbare oder spritzgegossene Produkte. Darüber hinaus prüfen wir Anwendungen außerhalb der klassischen Lebensmittelverpackung.

Unser Ziel ist es, konventionelle fossile Kunststoffe wie PET, PP oder PS dort zu ersetzen, wo kurze Produktlebenszyklen und schwierige Recyclingbedingungen neue Materiallösungen besonders sinnvoll machen.

Der Name «Materra» verbindet die Begriffe Material und Terra, also Erde. Er steht für unseren Anspruch, Materialien aus erneuerbaren und zirkulären Rohstoffen zu entwickeln, die am Ende ihres Lebenszyklus wieder sinnvoll in biologische oder zirkuläre Stoffkreisläufe zurückgeführt werden können.

Entscheidend ist dabei die Funktionalität. Nachhaltige Verpackung funktioniert nur dann, wenn sie das Produkt zuverlässig schützt. «Materra» bietet deshalb die für viele Verpackungsanwendungen notwendige Steifigkeit, Feuchtigkeits- und Fettbeständigkeit sowie gezielt einstellbare Barriereeigenschaften. Bei Frischprodukten kann die spezifische Gasdurchlässigkeit des Materials zudem dazu beitragen, die Haltbarkeit zu verlängern.

Ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes ist die industrielle Integration statt des Aufbaus völlig neuer Produktionsinfrastruktur. «Materra» wurde bereits auf bestehenden Extrusions-, Thermoform- und Spritzgussanlagen bei Industriepartnern verarbeitet. Wie bei jedem neuen Material müssen Prozessparameter wie Temperaturprofile, Kühlung und Formfenster angepasst und optimiert werden. Die grundlegenden Maschinen und Produktionsprozesse bleiben jedoch dieselben.

Am Ende des Lebenszyklus ist «Materra» insbesondere für Anwendungen interessant, bei denen klassisches mechanisches Recycling aufgrund von Lebensmittelanhaftungen oder sehr dünnen Verpackungsstrukturen schwierig oder wirtschaftlich wenig attraktiv ist. Das Material ist auf die Anforderungen an industrielle Kompostierbarkeit, beispielsweise gemäß EN 13432, ausgelegt. Gleichzeitig betrachten wir für jede Anwendung und jeden Markt den jeweils sinnvollsten Entsorgungsweg.

Besonders wichtig ist für uns: Wir befinden uns nicht mehr nur im Laborstadium. Wir haben bereits rund sechs Tonnen «Materra» an neun Verarbeiter in Italien, der Schweiz und Deutschland verkauft. Dort wird das Material unter realen industriellen Bedingungen verarbeitet und validiert. Damit bewegen wir uns klar von technischen Testchargen hin zu größeren industriellen Volumina und kommerziellen Anwendungen.

Oder kurz gesagt: Wir wollen nicht die Verpackungsmaschinen neu erfinden. Wir wollen verändern, welches Material durch sie läuft.

Der Autor: Slava Drigloff