Nachgefragt
Was brachte die Nachwuchskampagne?
Zwölf Verbände und elf Hochschulen haben im Mai die Social-Media-Kampagne „Wir packen’s an! Du auch?“ zur Nachwuchsgewinnung aufgelegt. Die 25 Videos mit Studierenden, Azubis und Alumnis markierten den Countdown zum „Tag der Verpackung“. Mara Hancker von der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen sagt, wie es weitergeht.

Logo der Aktion (Ausschnitt). Bild: DVI
Frau Hancker, was hat die Kampagne gebracht?
Sichtbarkeit für unsere Unternehmen und die Branche. Dafür haben die einzelnen Verbände nicht alleine die Mittel und die Kapazitäten. Unsere Unternehmen zeigen sich regional oder auf Messen, aber auf Social Media fehlt uns die Sichtbarkeit. Die Kampagne wurde relativ zügig abgestimmt, die Mittel bereitgestellt. Das allein war schon ein Erfolg. Wir wollen Schlagkraft aus der Branche heraus entwickeln.
Reicht eine solche Kampagne? Wie geht es weiter?
Den „Tag der Verpackung“ wird es auch im nächsten Jahr geben, er soll zur Tradition werden. Und die Verbände machen ja auch einiges. Die IK zum Beispiel arbeitet mit „Wir sind Kunststoff“ zusammen und richtet das Event „Next Gen Plastics“ aus, das sich an junge Leute aus der Branche richtet. Die erste Auflage in diesem Jahr war sehr gut – wir reden ja sonst meist mit der Generation 40 plus und müssen uns diese Zielgruppe neu erschließen.
Die PPWR schaffte es nicht nur im August in die großen Medien. Wäre das ein Hebel, die Branche als cool darzustellen?
Der Zug für eine coole PPWR ist abgefahren. Aber was daraus entsteht, ist cool. Es wird völlig unterschätzt, welche Handlungsfelder eine Regulierung eröffnet, weil alle unter denselben neuen Regeln kreativ werden müssen.
Anzeige
Sie beklagen vor allem fehlenden technischen Nachwuchs. Die Interpack hat gezeigt, dass Verpacker auf dem Weg zu Dark Factories sind. Werden also eher weniger Leute gebraucht?
Dark Factories mögen eine gewisse Entlastung bringen. Aber Maschinen warten sich nicht von allein und müssen weiterentwickelt werden. Es braucht weiter Menschen, wenn auch mit anderen Qualifikationen.
Die Kampagne richtete sich an junge Leute. Bräuchte es eine zweite Kampagne, die sich an Quereinsteiger richtet? Schließlich betonen die Automatisierer, wie einfach die Bedienung der Maschinen durch neue Interfaces wird.
Quereinsteiger haben wir als Zielgruppe noch nicht betrachtet. Ja, mit einfacher bedienbaren Maschinen kommen mehr Menschen für die Verpackungsherstellung in Frage. Wir sehen aber auch, mit welcher Geschwindigkeit die Babyboomer aus dem Arbeitsleben aussteigen – und Experten brauchen wir auch weiter.
Das war eine gemeinsame Kampagne von zwölf Verbänden. Und der Auftakt für einen Verbände-Superorganismus?
Ein Superorganismus wäre ein Träumchen. Das war ja aber nicht die erste gemeinsame Aktion, in Sachen Nachwuchs allerdings schon. Wir haben bisher oft in Silos gearbeitet – es gab Abgrenzungen zwischen den Vertretern der verschiedenen Materialien. Aber die Herausforderungen sind größer geworden, und die Budgets in den Verbänden wachsen nicht. Wir brauchen die Zusammenarbeit. Allein finden wir nicht so viel Gehör. ●
Infobox
„Kampagne hat die Leidenschaft gezeigt“
Konkrete Klick- oder Aufrufzahlen zur Kampagne kann das federführende Deutsche Verpackungsinstitut (DVI) nicht nennen. „Wir sind sehr zufrieden mit der Kampagne“, sagt aber DVI-Geschäftsführerin Natalie Brandenburg. „Das gilt auch mit Blick auf die Begeisterung, mit der Studierende, Auszubildende und Alumni ihre Berufe und persönlichen Erfahrungen zeigen.“ Engagement, Kreativität und gegenseitige Unterstützung hätten deutlich gemacht, „wie vielfältig und spannend die Verpackungsbranche ist – und wie viel Leidenschaft in ihr steckt“.
Der Autor: Stefan Becker

