Industrielogistik

Wie verpackt man Heavy Metal?

Industrielle Logistik hat ihre eigenen Anforderungen, und der Anspruch an Transportverpackungen wird weiter steigen, schreibt Irini Giannussi in ihrem Gastbeitrag. Sie skizziert, wie ihr Arbeitgeber Antalis Korrosionsschutz und Nachhaltigkeit für den Transport von Metallkomponenten unter einen Hut bringt.

Der Transport schwerer, empfindlicher Metallkomponenten über Weltmeere hinweg gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben industrieller Logistik. Besonders bei Präzisionsbauteilen, deren Oberflächenqualität für die Funktionalität entscheidend ist, zählt jeder Millimeter Schutz. Für international agierende Maschinenbauunternehmen und Teilehersteller entwickelte Antalis Verpackungen daher eine umweltfreundliche Einweg-Konstruktivverpackung, die sich für weltweite Logistikwege per Lkw, Schiff oder Luftfracht eignet.

Irini Giannussi Bild: Antalis

Bei der Ausarbeitung des Konzepts orientierte sich das Team um Kai Hofmann, dem Leiter des Packaging Design Centers, an einem anspruchsvollen Szenario. Mehrere Tausend Kurbelwellen, die aufgrund ihres sehr hohen Gewichts und ihrer sensiblen Oberflächenbeschaffenheit besondere Anforderungen an Verpackung, Materialstabilität und Korrosionsschutz stellen, galt es zu schützen. Dazu musste die neue Verpackungslösung den Transport über mehrere Monate hinweg ermöglichen und zugleich für eine Lagerzeit von bis zu zwei Jahren ausgelegt sein.

Drei Kurbelwellen pro Lage auf zwei Ebenen: Verpackung von Antalis für den Übersee-Transport von Metallbauteilen. Bild: Antalis

15 Stunden Designentwicklung

Korrosionsschutz war dabei ein zentrales Kriterium, und so fiel die Wahl auf die VCI-Technologie (Volatile Corrosion Inhibitors), die Antalis unter der Marke „Korus“ anbietet. Das System bildet im geschlossenen Verpackungsraum eine unsichtbare Schutzatmosphäre, sodass Feuchtigkeit und Sauerstoff von den metallischen Oberflächen ferngehalten werden – eine saubere und ressourcenschonende Alternative zu öl- oder fettbasierten Verfahren.

Die Entwicklerinnen und Entwickler des Packaging Design Centers setzten bei der Konstruktion auf eine passgenaue Aufnahme aus verklebter Wellpappe („Multiwell“). Sie ermöglicht es, sechs Bauteile pro Palette sicher zu lagern – jeweils drei pro Lage auf zwei Ebenen. Die beiden Ebenen werden über ein Stecksystem verbunden, das Stabilität schafft und gleichzeitig den Materialverbrauch niedrig hält. Damit ist die Konstruktion zugleich optimal auf den „Packtainer G18 Standard Set“ abgestimmt und lässt sich in bestehende Logistik- und Lagerprozesse integrieren.

Auch das Handling spielt eine wichtige Rolle. Die Bauteile werden stets in gleicher Ausrichtung von oben mittels Hebevorrichtung eingesetzt – ein ergonomischer Prozess, der in der Verpackungslinie zusätzlich für Effizienz sorgt. Eine Klimasimulation im Labor bestätigte schließlich die Funktionsfähigkeit der Konstruktion: Selbst nach intensiven Belastungstests waren weder Qualitätsverluste noch Korrosionserscheinungen festzustellen.

Die Verpackungskonstrukteure von Antalis Verpackungen entschieden sich aus Nachhaltigkeitsgründen für ein Monomaterial auf Faserstoffbasis. Frühere Ansätze mit Metallrahmen oder Kunststoffprofilen konnten dadurch abgelöst werden.

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Durch den überwiegenden Einsatz von Faserstoff und den leicht davon zu trennenden Folienanteil entstand eine vollständig recyclingfähige Lösung, die zugleich die Anforderungen an Festigkeit, Stoßdämpfung und Transportstabilität erfüllt.

Rund 15 Stunden Designentwicklung, Musterfertigungen sowie Transport- und Belastungstests bildeten die Grundlage für die Serienfreigabe, die nach etwa vier Monaten vorlag. Der iterative Entwicklungsprozess mit mehreren Optimierungsschleifen führte zu einer materialeffizienten und wirtschaftlichen Lösung. Die Konstruktion bestand sämtliche Tests zur Serientauglichkeit. Damit lässt sich die Verpackung auch in großen Stückzahlen zuverlässig realisieren – ein wichtiger Faktor für viele Maschinenbauunternehmen, die weltweit liefern. Kai Hofmann: „Die enge Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Vertrieb hat entscheidend dazu beigetragen, technische und wirtschaftliche Anforderungen miteinander zu verbinden.“

Zugleich belegt das Projekt, dass technische Anforderungen und ökologische Verantwortung einander nicht ausschließen müssen. Der Anspruch an Transportverpackungen wird weiter steigen – insbesondere im Hinblick auf Ressourceneffizienz, Automatisierung und globale Logistik. Ziel der Entwicklungsarbeit von Antalis ist es daher, Verpackungen zu realisieren, die weit über den reinen Produktschutz hinausgehen und einen strategischen Mehrwert für die gesamte Lieferkette bieten.

Das Herzstück des Schutzkonzepts bildet das mehrstufige Korrosionsschutzsystem „Korus“. Jedes Bauteil wird einzeln in einen VCI-Beutel verpackt, mit Trockenmittel ergänzt und anschließend in einem luftdicht verschlossenen Aluverbundbeutel eingeschlossen. Die Kombination aus VCI-Papier, Folie und Aluminiumverbund bildet eine nahezu undurchlässige Barriere gegen Feuchtigkeit und Umwelteinflüsse – ideal für Langzeitlagerung und interkontinentale Transporte.