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Klebstoffanwendungen
Ein heißes Thema – Coolmelt-Klebstoffe
Energiesparen: Warum Hochtemperatur-Schmelzklebstoffe einsetzen, wenn es auch mit Niedrigtemperatur-Klebstoff geht?
Eine vielversprechende Entwicklung für die Verpackungsindustrie sind sogenannte Coolmelts – Niedrigtemperatur-Klebstoffe, die bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden können als herkömmliche Schmelzklebstoffe.
Bei Coolmelts handelt es sich um Schmelzklebstoffe, die bereits ab rund 90 °C flüssig werden und bei Temperaturen zwischen 100 °C und 150 °C aufgetragen werden. Im Vergleich zu konventionellen Hotmelts, die Temperaturen von 180 °C bis 200 °C erfordern, bietet diese niedrigere Verarbeitungstemperatur laut dem Klebstoffspezialisten Robatech einige Vorteile:
Energieeinsparung: Coolmelts benötigen im Durchschnitt bis zu 8,5 Prozent weniger Energie pro 10 °C Temperaturabsenkung. Dies kann bei einer Reduktion von 170 °C auf 120 °C zu Einsparungen von bis zu 40 Prozent führen.
Verbesserte Arbeitssicherheit: Geringere Temperaturen reduzieren das Risiko von Verbrennungen für das Bedienpersonal.
Höhere Produktivität: Kürzere Aufheizzeiten und schnelle Abbindezeiten ermöglichen eine effizientere Produktion.
Weniger Verschleiß: Niedrigere Temperaturen reduzieren die thermische Belastung der Klebstoff-Auftragssysteme, was die Wartungskosten senkt.
Sind Coolmelts grün?
Niedrigtemperatur-Klebstoffe bestehen aus denselben Rohstoffen wie Hochtemperatur-Schmelzklebstoffe, nämlich aus verschiedenen thermoplastischen Polymeren. Sie sind also nicht zu verwechseln mit biobasierten Klebstoffen, die zum Teil aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Trotzdem tragen Coolmelts laut Robatech zu einer nachhaltigeren Produktion bei. Einerseits verbrauchen sie weniger Energie beim Auftragen, andererseits ermöglichen sie höhere Maschinengeschwindigkeiten und tragen so zu einer höheren Produktivität von Verpackungslinien bei.
Einsatzmöglichkeiten und Einschränkungen
Coolmelts bieten zahlreiche Einsatzmöglichkeiten und sind besonders für End-of-Line-Packaging-Anwendungen geeignet. Aufgrund ihrer niedrigen Verarbeitungstemperaturen ermöglichen sie eine energieeffiziente und produktive Produktion, ohne Kompromisse bei der Haftung einzugehen. Für viele gängige Substrate wie Kartonagen oder Verpackungsmaterialien sind bewährte Coolmelts verfügbar, die in der Praxis genauso zuverlässig haften wie herkömmliche Hotmelts. Dies macht sie vor allem für Unternehmen interessant, die ihre Nachhaltigkeitsziele mit hoher Effizienz kombinieren möchten. Obwohl Coolmelts für viele gängige Anwendungen eine zuverlässige Lösung bieten, gibt es Substrate, bei denen ihre Einsatzmöglichkeiten eingeschränkt sind. Auf sehr glatten Oberflächen haftet der Klebstoff weniger gut, da er nicht so tief in das Material eindringt. Auch der Erweichungspunkt – die Temperatur, bei der der Klebstoff wieder weich wird – spielt eine Rolle, insbesondere bei der Lagerung und dem Transport verklebter Produkte.
Durch den Wechsel auf den neuen Niedrigtemperatur-Klebstoff konnten wir den Stromverbrauch um fast 50 Prozent reduzieren, und dies bei gleicher Leistung und Funktionalität der Verklebung. Für uns eine interessante Win-Win-Situation.
Daniel Brack Koordinator Produktion und Logistik Oel-Brack

Das richtige Equipment für Coolmelts
Coolmelts werden von unterschiedlichen Herstellern in Granulatform angeboten. Abgesehen von den niedrigeren Auftragstemperaturen werden sie gleich wie herkömmliche Schmelzklebstoffe verarbeitet. Bei Robatech-Klebstoffauftragssystemen gibt es keine Einschränkung in der Temperatureinstellung, sodass sie auch für die Verarbeitung von Coolmelts verwendet werden können. Für einen erfolgreichen Klebstoffwechsel ist es ratsam, das Klebstoff-Auftragssystem gründlich zu reinigen und den neuen Klebstoff ausgiebig zu testen. Coolmelts bieten laut Robatech eine nachhaltige und effiziente Alternative zu herkömmlichen Hotmelts, insbesondere für Unternehmen in der Verpackungsindustrie. Neben der Reduktion von Energieverbrauch und Betriebskosten tragen sie auch zu einer erhöhten Arbeitssicherheit bei. (mns)
Autorin: Medea Schnyder, Marketingtexterin bei Robatech